Fränkischer Hof in Thurnau September 2025/historisch - Foto: D.Popp/H.Stark

aufgepasst

Gasthaus "Fränkischer Hof" in Thurnau
Bahnhofsstraße 19, 95349 Thurnau

Eingestellt von: Dietmar Popp
Eingestellt am: 23.09.2025
Geändert am: 01.10.2025

Bayerische Denkmalliste: nicht eingetragen
Denkmal-Typ: nicht eingetragen

Gasthaus "Fränkischer Hof" in Thurnau

Ungewisse Zukunft eines ortsprägenden Baudenkmals

Wie die Lokalpresse berichtete schloss am 31. Dezember 2024 der Gasthof "Fränkischer Hof" in der Thurnauer Bahnhofsstraße. Als Altersgründen stellten die Eigentümer-Familie nach über 110 Jahren Bewirtung den Betrieb ein. Wirtschaft und Gebäude stehen zum Verkauf. Viele Thurnauer (auch Vereine) verlieren damit ihr angestammtes Lokal mit langer Tradition und Gastkultur.

Ein Gasthof in der Nähe eines Bahnhofes machte zu Beginn des 20ten Jahrhunderts viel Sinn.

So war der Bau des Gasthauses “Fränkischer Hof“ in unmittelbarer Nähe zum Thurnauer Bahnhof kaum ein Zufall. Das Plenum des Bayerischen Landtages genehmigte nach jahrzehntelangem Ringen mit den Bayerischen Behörden im fernen München am 14. Juni 1904 das Projekt der Lokalbahn Bayreuth-Kulmbach-Thurnau, später im Volksmund das „Thurnauer Bockela“ genannt. Am 8. August stimmte die Kammer der Reichsräte zu, am 10. August erteilt der Prinzregent mit offizieller Sanktion dem Vorhaben seinen Segen.

Damit war Planungssicherheit gegeben, auch für private Investoren. Reisende wollten gut essen und trinken, sich von der Zugfahrt erholen und ggf. auch übernachten – und das alles ohne lange suchen und mit Gepäck noch viel laufen zu müssen. Ein Dokument vom Beginn der 50er Jahre verrät einiges über die Entstehung des Bauwerkes.

Danach wurde das Grundstück früher mit der Hausnummer 164 beziffert (heute 19), ein Vorgängerbauwerk darauf abgebrochen und der Gasthof im Jahr 1907/08 im Auftrag des Gerbermeisters Johann Andreas Glenk erbaut. Die Genehmigung für die Errichtung des Gebäudes war zuvor mit Beschluss vom 24.11.1905 zugesagt worden. Ab August 1908 war die Wirtschaft an Theodor Wanderer aus Kulmbach verpachtet, ab 2. Februar 1910 in Bewirtschaftung. Ausgeschenkt wurde damals das Bier der Kulmbacher Rizzi-Bräu. Ab dem 30. Dezember 1910 befand sich das Gasthaus dann im Eigentum von Heinrich Glenk. Im Jahr 1936 wurde die Umfriedungsmauer um den mit Kastanien bepflanzten Biergarten genehmigt.

Baubeschreibung:

Großes, zweistöckiges, unterkellertes Gebäude in Massivbauweise mit hohem Schopfwalmdach, aufwändig gestaltetem Zwerchhaus und Fledermaus-Gauben. Biberschwanzdeckung, Stirnseiten Dach mit Schieferverkleidung. Eingangstüre mit Rundbogen und Oberlicht hin zur Thurnauer Bahnhofsstraße, Fenster im Erdgeschoss (Gastraum) als große, geteilte Rundbogenfenster. Nach Süden angefügter Saalbau, ehemals mit Walmdach, Fledermaus- und Schleppgauben, später umgebaut, heute mit flacher geneigtem Satteldach und zweitem Stock.

Denkmalwert:

Das Gebäude ist der Heimatschutz-Architektur zuzuordnen. Davon gibt es in der Gemeinde Thurnau erstaunlich wenig Bausubstanz. Einziges Baudenkmal auf der Denkmalliste aus dieser Stilperiode ist eine kleine Villa in Limmersdorf (D-4-77-157-187). Die örtliche Seltenheit im Baustil und die Qualität der Architektur in der Ausführung lassen es zu, den Gasthof “Fränkischer Hof“ nach Definition des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes als schützenswertes Baudenkmal zu bewerten. Die Umgestaltung des südlichen Saalbaues mindert dabei kaum die Bedeutung des Hauptgebäudes und die Notwendigkeit, den großen Wert dieses Bauwerks für den Markt Thurnau anzuerkennen und alles für seinen Erhalt zu tun.

Unterstichen sei die enge Verbindung in Baustil, Grund und Zeitpunkt der Entstehung mit dem in direkter Nachbarschaft zum Gasthof stehenden Wohnhaus der Lokalbahn Bayreuth-Kulmbach-Bayreuth (“Thurnauer-Bockela“).

Gasthaus "Fränkischer Hof" in Thurnau - Fotos

Gefährdung

Das Baudenkmal wurde vor einiger Zeit bei ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten. Mittlerweile ist diese Anzeige aber wieder entfernt worden. Im Wesentlichen wurde hier wohl ein Käufer gesucht, der Gebäude mit Wirtschaft erwirbt um die Gastwirtschaft weiter zu betreiben. Was von allen künftigen Nutzungen für Thurnau die schönste wäre.

Was den fränkischen Heimat- und Denkmalfreund aber erschrecken ließ: Der Verfasser der Anzeige wies auch auf die Möglichkeit hin, dass das Gebäude nach einem Erwerb auch ohne Probleme abgerissen werden könne, um an seiner Stelle auf dem günstig gelegenen Grundstück etwas profitableres errichten zu können. Wie zahlreiche Fälle zeigen, wäre dies leider nicht der erste altehrwürdige Gasthof in Bayern, dem dieses Schicksal womöglich blühte.

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