Heimatschutz-Ensemble Bahnhofstraße Thurnau
Versteckt und zu retten - Ensemble der Heimatschutz-Architektur um 1907/8 in der Thurnauer Bahnhofsstraße
Der Bau der Lokalbahn Thurnau-Kulmbach-Bayreuth, im lokalen Dialekt prägnant "Thurnauer Bockela“ genannt, ließ nicht nur Brücken und Bahnhöfe entlang der Strecke entstehen. Auch wohnen, essen und schlafen und ggf. feiern musste der Mensch, gleich ob Reisender oder Bahnarbeiter. Zu diesem Bedürfnissen entstanden damals folgerichtig die passenden Bauwerke.
Fast zeitgleich errichtet wurden damals in der Thurnauer Bahnhofsstraße um 1908 zwei heute mit den Hausnummern 21 und 19 bezeichneten Häuser: Der Gasthof “Fränkischer Hof“ und – getrennt durch einen kleinen Park mit Kastanien – daneben das Eisenbahnerwohnhaus.
Beide Bauwerke gehören zur Heimatschutz-Architektur mit Rückbesinnung auf Bauformen der klassischen Baukunst und Referenzen an Klassik, Barock und althergebrachte Stilelemente. Nachzulesen ist eine genauere Beschreibung auf dieser Website unter Gasthof Fränkischer Hof und Eisenbahnerwohnhaus.
In der historischen Gesamtsicht haben beide Baudenkmäler den Charakter eines kleinen Ensembles (siehe Bildmaterial der Entstehungszeit). Diese Eigenschaft mag heute den meisten Betrachtern verborgen bleiben, das geringe Interesse an Baukultur der Reformarchitektur ist oft gegeben, die Gebäude sind dazu völlig zugewachsen und selbst im Winter schlecht zu sehen. Jedoch sind beide Gebäude mit Abstrichen weitgehend unverändert erhalten, der Grad der “Verhunzung“ gering bzw. reversibel. Der Originalzustand wäre wieder herstellbar.
Der fast zeitgleiche Bau der Gebäude war Folge der neu eröffneten Lokalbahn, keines der Bauwerke hätte ohne diese Sinn ergeben. Der Anspruch an die Architektur war/ist in Stil, Qualität und Anspruch gleichermaßen hoch, beide sind Heimatschutz-Architektur mit jeweils individuellem Charakter. Die Positionierung der Baukörper zueinander und die Gesamtsicht mit dem frisch angelegten Weg und den 1908 gepflanzten Kastanien zeigt: Es handelte sich im Ursprung kaum um ein zufälliges Arrangement zweier Bauwerke.
Wenn auch der Architekt nicht derselbe gewesen sein muss, erkennt man eine ordnende Kraft, das Bemühen der damaligen Verantwortlichen, eine repräsentative Anlage mit Vorzeigecharakter in Bahnhofsnähe zu schaffen.
Denkmaleigenschaften sind nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz bei beiden Bauwerken wohl gegeben. Nach Artikel 1 kann auch die Voraussetzung für ein kleines Ensemble aus zwei Gebäuden und einem kleinen Park an der Bahnhofsstraße in Thurnau vorhanden sein.
Heimatschutz-Ensemble Bahnhofstraße Thurnau - Fotos
Gefährdung
Zukunft beider Gebäude und des kleinen Parkes ist ungewiss. Die Besitzer des Eisenbahnerwohnhauses sind nach Angaben des Thurnauer Bürgermeisters nicht ausfindig zu machen (Stand 2024), was die Gemeinde als möglicher Käufer mit dem Gebäude vor hätte, ist unbekannt.
Der Gasthof stand laut einer E-Bay Kleinanzeigen-Annonce vor kurzem zum Verkauf. Der Gastbetrieb wurde Anfang dieses Jahres eingestellt. Die Annonce sprach von der Möglichkeit, dass das Gebäude auch abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden könne. Ob ein Verkauf mittlerweile erfolgt ist, was für Pläne es mit dem Gebäude gibt, ist unbekannt.
Die Qualität beider Bauwerke wie auch der Ensemble-Charakter in der Thurnauer Bahnhofsstraße ist vor Ort derzeit kein Thema. Interesse für Denkmalpflege beschränkt sich in Thurnau meist auf Schlossbereich und untere Stadt. Selbst Ensemble- und Einzeldenkmälern wie dem "Weissen Schwanen" werden aufgrund von Ensemble-Randlage und Geringschätzung der lokalen Behörden (nicht das BLfD!) Wert und Erhaltungswürdigkeit gerne abgesprochen.
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