Ensemble Ludwigstraße mit Odeonsplatz bis Siegestor - Foto: Claudia Mann

aufgepasst

Ludwigstraße mit Odeonsplatz
Ludwigstraße mit Odeonsplatz, München

Eingestellt von: Claudia Mann
Eingestellt am: 06.09.2026
Geändert am: 11.09.2026

Bayerische Denkmalliste: eingetragen
Denkmalatlas / Aktennummer: E-1-62-000-31
Denkmal-Typ: Ensemble

Ludwigstraße mit Odeonsplatz

Leo von Klenze, Friedrich von Gärtner und König Ludwig I. schufen gegen viel Widerstand einen geschlossenen Stadtraum - einen repräsentativen Saal von Weltrang! Und jetzt? Gefährdet durch Großbäume oder anderes?

Die Ludwigstraße, Leo von Klenzes städtebauliche Magistrale mit einer Breite von 35 Metern schloss die damals noch geschlossene, enge historische Altstadt Münchens auf und an. Klenze schuf eine elegante Anbindung für die Maxvorstadt über die Brienner Straße. Er entwarf mit diesem städtebaulich anspruchsvollen Straßenraum die Grundlage für die nördliche, klassizistische Stadterweiterung. Eingesprengt wurden von Klenze mehrere Plätze in das Straßenbild. An diesen Stellen wird die Ludwigstraße zum Platz geweitet, erscheint jedoch als einheitlicher Raum.

Der aufmerksame Besucher wandelt von der Feldherrnhalle zum Siegestor und kann bis heute Klenzes Schöpfungskriterien der Ludwigstraße nachvollziehen: ein einheitliches Fassadenbild mit gleichhohen Gesimsen, einer detailliert abgestimmten Farbigkeit der Fassaden. Mit dieser Gestaltung der Wände, der Straßen und Plätze assoziiert er uns bis heute seine Idee der architektonisch und städtebaulich gezeichneten Saalräume.

Nichts sollte den Blick von den Fassaden ablenken oder in den tektonischen Raum der Ludwigstraße hineinwirken - dies war der Anspruch seiner Baumeister. Bereits Friedrich Ludwig von Skells Entwurf, die Ludwigstraße zu begrünen, wurde von Ludwig I. konsequent aus formalen Gründen abgelehnt und verhindert.

Besondere Bedeutung hat Klenzes Gestaltung des Vorplatzes der Residenz, dem Odeonsplatz, später vollendet mit der Feldherrenhalle von Friedrich von Gärtner im Süden. Die Feldherrnhalle korrespondiert bis heute mit dem nördlichen Abschluss des Saalraums Ludwigstraße, Friedrich von Gärtners Siegestor, und der Ostfassade der Theatinerkirche. In seiner Gesamtheit schufen die Architekten einen Stadtraum mit hohen Aufenthaltsqualitäten für unterschiedliche Nutzungen. Mit und durch diese großartige städtebauliche Leistung von König Ludwig I., Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner entwickelte sich München zur Jahrhundertwende zu einer Weltstadt.


Leo von Klenze; verantwortlicher Baumeister Odeonsplatz bis Von-der-Thann-Straße, (* 29. Februar 1784 in Buchladen bei Schladen; † 27. Januar 1864 in München) Neben Karl Friedrich Schinkel gilt er als bedeutendster Vertreter des deutschen Klassizismus. Hauptwerke: Ensemble Ludwigstraße mit Odeonsplatz, Palais Leuchtenberg, die Glyptothek und die Alte Pinakothek in München, die Walhalla in Donaustauf und die Neue Eremitage in Sankt Petersburg.

Friedrich von Gärtner; verantwortlicher Baumeister Von-der-Thann-Straße bis Siegestor, (* 10. Dezember 1791 in Koblenz; † 21. April 1847 in München). Gilt neben Leo von Klenze als der bedeutendste Baumeister im Königreich Bayern unter Ludwig I.

Ideengeber König Ludwig I. (* 25. August 1786 in Straßburg; † 29. Februar 1868 in Nizza) entstammte dem Haus Wittelsbach. Er war 1825 bis 1848 König von Bayern nach dem Tod seines Vaters Maximilian I.. Abdankung im Revolutionsjahr 1848 nach seiner Affäre mit der Tänzerin Lola Montez.

Ludwigstraße mit Odeonsplatz - Fotos

Gefährdung

Warum aufgepasst? Der Münchner Stadtrat brachte mit einem Stadtratsbeschluss einen Realisierungswettbewerb mit angehängtem Ideen-Wettbewerb auf den Weg. „Es soll ein Gesamtkonzept entwickelt werden, das der Qualität und Bedeutung des denk­malgeschützten Ensembles unter Berücksichtigung der Erfordernisse der Klimaanpassung gerecht wird. (...) Ziel ist es, das denkmalgeschützte Ensemble heutigen Anforderungen entsprechend nachhaltig weiterzuentwickeln und die Einzeldenkmäler in ihrer Wirkung zu stärken. Grundlage für die Wettbewerbsentwürfe war die vom Stadtrat beschlossene und mit dem Denkmalschutz abgestimmte Musterlösung zur Neuaufteilung der Verkehrsflächen.“

Selbst der Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs hat dieses Ziel nicht erreicht. Das Erscheinungsbild der Monumentalstraße in ihrer einzigartigen Saalbauweise wäre mit den geplanten grünen Inseln und den idealisierten Großbäumen zerstört.

Leo von Klenze entwickelte seine Magistrale von der Feldherrnhalle bis zum Siegestor für eine vielfältige Nutzung, die sich im Laufe der Jahrhunderte veränderte und im Straßenbild ablesbar ist. Klenze selbst kämpfte noch gegen eine Befestigung des Straßenbelags. Heute ist der wesentliche Aspekt des Stadtratsbeschlusses eine Nutzungsänderung, weg von der autogerechten Stadt, heißt im Falle der Ludwigstraße weniger Fahrspuren für den Verkehr und mehr Raum für Fußgänger, Radler und Veranstaltungen. Das hält diese Symbiose von Stadtplanung und Architektur aus, jedoch darf das Erscheinungsbild durch Großbäume oder ähnliches nicht geschädigt werden. Die Monumentalstraße von König Ludwig I. und seinen Baumeistern Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner, Münchens Straße von Weltrang, ein Ensemble, gerahmt von bedeutenden Einzelbaudenkmälern! Oswald Hederer schrieb in seinem 1942 veröffentlichten Buch über die Ludwigstraße in München „In edlen Maßen wurde ein Raum geschaffen, der des Anspruchs mächtig bleibt, daß sich Leben in ihm formvoll begebe.“ Das sollte der Anspruch an die aktuelle Nutzungsänderung unter Erhalt des architektonischen Kunstwerks und Kulturguts „Ludwigstraße“ sein.

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