Ladenzentrum Fürstenried, Foto Hanns-Erik Endres / Denkmalnetz Bayern

gefährdet

Ladenzentrum Fürstenried West in München
Schweizer Platz, München

Eingestellt von: Dr. Hanns-Erik Endres
Eingestellt am: 12.07.2023
Geändert am: 24.07.2023

Bayerische Denkmalliste: nicht eingetragen
Denkmal-Typ: nicht eingetragen

Ladenzentrum Fürstenried West in München

Ladenzentrum von 1961 soll "Einkaufsparadies" und Wohnungen weichen

In den 1960er Jahren wurde der Stadtteil Fürstenried als „Trabantenstadt“ auf der grünen Wiese geplant und gebaut, um die Wohnungsnot in München zu lindern. Das war insofern praktisch, als sich das Gelände als Ökonomiegut Fürstenried ohnehin im Besitz der Stadt München befand. Mit dem Bebauungsplan wurde ein prominentes Architektenteam beauftragt, das zum Teil schon die Parkstadt Bogenhausen geplant hatte: Franz Ruf, Fred Angerer, Ernst Maria Lang, Hans Knapp-Schachleitner und Adolf Schnierle. Es ist davon auszugehen, dass auch Adolf Schnierles Ehefrau Helga Schnierle beteiligt war. Wie bei den 1950er Siedlungen üblich gab es großzügige Grünflächen und eine autogerechtes Straßennetz. Der Stadtteil wird durch die damals im Bau befindliche Garmischer Autobahn in Fürstenried-Ost und -West getrennt und im Süden durch das mit einem BDA-Preis ausgezeichnete Autobahnkreuz Kreuzhof (der Name geht auf ein ehemaliges Gasthaus zurück, das den Bauarbeiten zum Opfer fiel) abgeschlossen.

Die Siedlungsbauten wurden zum Teil ebenfalls von den oben genannten Architekten entworfen und in einem zeitgenössischen Kommentar in der FAZ beschrieben: „Dort, inmitten von guter Luft und weißem Schnee, haben sich einige Hochhäuser, viele der Sonne zugewandte Etagenhäuser und einige Bungalows zu einigermaßen rational wirkenden Siedlungen gruppiert. ... Es gibt billige Einkaufszentren, Sparkassen und Banken, Kinderspielplätze, Kirchen und Schulen. Die Preise sind erträglich. Eine fernbeheizte Dreizimmerwohnung im Geschosswohnungsbau kostet zum Beispiel 120 Mark“.

In Fürstenried Ost entwarf Fred Angerer das Sparkassenhochhaus, das im Erdgeschoss ein Ladenzentrum mit Buchhandlung und Sportgeschäft beherbergte. Unmittelbar daneben entstanden ein Supermarkt, ein Kaufhaus (damals Neckermann), eine Brunswick Bowlingbahn, ein Bürgerhaus mit Stadtbibliothek und eine Sparkasse mit filigranem Zeltdach. Dieses Ladenzentrum ist inzwischen fast vollständig Nachverdichtungsmaßnahmen zum Opfer gefallen.

Wesentlich bescheidener ist das Ladenzentrum Fürstenried West an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 8: Ein dreigeschossiger, fast quadratischer Bau mit Atrium beherbergt seit 1961 neben einem Supermarkt eine Reihe von Einzelhandelsgeschäften, eine Bank, ein Reformhaus und eine Bäckerei mit Café. In den beiden Obergeschossen des in schlichtem Weiß gehaltenen Gebäudes befinden sich Wohnungen mit umlaufenden Balkonen. Es liegt als Stadtteilzentrum unmittelbar neben der denkmalgeschützten Kirche St. Mathias (A. v. Branca) und dem ebenfalls denkmalgeschützten Schulzentrum Fürstenried West (P. Lanz, R. Geiger).

Die Straßenbahnendhaltestelle ist längst einer U-Bahnendstation mit Busbahnhof gewichen, der Platz wurde teilweise begrünt und mit einem markanten Brunnen versehen, an dessen Rand wöchentlich ein Markt stattfindet. Auf dem ehemaligen Straßenbahngleis wurden Park & Ride-Parkplätze angelegt.

Das Ladenzentrum Fürstenried West reiht sich in eine Reihe ähnlicher Objekte, auch an anderen Orten, die in dieser Zeit entstanden sind. Das Ladenzentrum besticht durch seine bescheidene Gestaltung, seine guten Proportionen und die nach wie vor bestehende Funktionalität. Es gewinnt um so mehr an Wert, je weniger Objekte dieser aus dieser Zeit übrigbleiben. Der Architekt/in ist bisher nicht bekannt.

Quellen: J.B., FAZ7.3.1963, S. 20
Bauten Projekte 1933 - 1993 : Franz Ruf 1933 - 1973, Andreas Ruf 1973 - 1993, Ruf + Partner 1993, das freie Buch, 1994

Ladenzentrum Fürstenried West in München - Fotos

Gefährdung

Schon vor längerer Zeit hatte der zuständige Bezirksausschuss bemängelt, dass „das unspektakuläre Viereck attraktiver gestaltet werden sollte.“ und „Konkret wird angeregt, die Bänke von der Nordostseite des Brunnens auf die Südostseite zu verlegen und in einem weiteren Schritt weitere Sitzgelegenheiten und eventuell ein gepflastertes Schachspiel zu schaffen. Zur Begründung wird ausgeführt, dass der Schweizer Platz derzeit für viele Menschen keine Aufenthaltsqualität habe. Dies liege zum einen an der öden Gesamtanlage, zum anderen daran, dass sich dort „Wohnungsflüchtlinge“ unterschiedlichen Alters treffen, die durch nächtlichen Lärm die Nachbarn stören. Zu bemängeln ist auch, dass immer wieder in die angrenzende Grünfläche uriniert wird“. Beklagt wurde vom Bezirksausschuss auch die Einkaufsmisere, da der zweite Supermarkt im Viertel Nachverdichtungsmaßnahmen weichen musste und ein weiteres Einkaufszentrum in der Nähe gerade abgerissen wird. Bei allem darf nicht vergessen werden, dass der Schweizer Platz ursprünglich eine Straßenbahnwendeschleife mit Bushaltestellen am Rande einer Ausfallstraße war.

Kein Wunder, dass der Eigentümer des Einkaufszentrums Fürstenried West nicht mehr an eine Generalsanierung denkt, denn „die heutigen Anforderungen an Einzelhandelsflächen können nur durch einen Neubau erfüllt werden. Außerdem könnte auf diese Weise mehr Platz für Läden, Gastronomie, Dienstleistungen und Wohnungen geschaffen werden." und „Zudem könne „die Überdimensionierung des Schweizer Platzes durch eine stärkere räumliche Fassung aufgefangen werden“. Dass damit auch das vermietbare und verkaufbare Flächenangebot deutlich zunimmt, versteht sich von selbst.
Es wäre schade um ein noch immer funktionierendes, bescheidenes Ensemble aus den Anfängen des Wirtschaftswunders.

Quellen: SZ, 11. Juli 2016, R9, "Öde Anlage", SZ, 27./28. Mai 2017, 'R7, "Was man so zum Leben braucht", SZ, 1./2. Juli 2013, R5, "Neubau geplant"

An der Sanierung beteiligte Architekten

nicht bekannt

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