Luftbild des Roten Platzes in Erlangen mit dem Bodenmosaik von Blasius Gerg (Wafer)- Foto/Grafik: Bayerische Vermessungsverwaltung CC BY 4.0

gefährdet

Roter Platz in Erlangen
Werner-von-Siemens-Straße 67, 91502 Erlangen

Eingestellt von: Dr. Hanns-Erik Endres
Eingestellt am: 13.07.2026

Bayerische Denkmalliste: eingetragen
Denkmalatlas / Aktennummer: Glaspalast: D-5-62-000-1032
Denkmal-Typ: Einzeldenkmal

Roter Platz in Erlangen

Der Rote Platz, Zentrum der ehemaligen Siemens City und einzigartiges historisches Denkmal, ist gefährdet.

von Dr. Hanns-Erik Endres und Dipl.-Ing. (Arch.), Denkmalpfleger (Univ.) Konrad Rottmann, Stadtheimatpfleger

Der Rote Platz, dessen Name auf die Pflasterung mit Ziegeln zurückgeht, entstand inmitten der ehemaligen Siemens City in Erlangen. Die Siemens City ist einer von mehreren dezentralen Standorten des Siemens-Konzerns, die in der Nachkriegszeit gegründet wurden. Das erste Gebäude war der wegen seiner Farbe so genannte  "Himbeerpalast", ein kombiniertes Büro- und Laborgebäude, das  von dem Siemens-Architekten Hans Hertlein entworfen und von 1948 bis 1953 im Stil der Berliner Siemens-Moderne erbaut wurde. Heinrich Welker betrieb dort Grundlagenforschung an der III-IV-Halbleitertechnologie, die die Basis heutiger LED-Technologien bildet. Lange Zeit wurden LEDs im Osram-Werk in Regensburg, einer Siemens-Tochtergesellschaft, gefertigt.

Gegenüber entstand von 1959 bis 1962 das von Hans Maurer geplante Verwaltungshochhaus mit einer Aluminium-Glas-Vorhangfassade ("Glaspalast"). Am nördlichen Platzrand wurde von 1956 bis 1958 das von Walter Henn entworfene "Bingel"-Haus errichtet, benannt nach einem Vorstandsvorsitzenden der Siemens-Schuckert-Werke. Die südliche Grenze des Platzes bildet die „Elefantentreppe“, ein postmodernes Verwaltungsgebäude, das ebenfalls von Hans Maurer entworfen und Anfang der 1980er Jahre erbaut wurde. Die Gebäude, die den Platz begrenzen, stellen eine einzigartige „Sammlung” der Siemens-Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar und zeugen vom wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt dieser Zeit.

Zentrales Kunstwerk des Platzes ist das wohl schon in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre vom Künstler Blasius Gerg (1927–2007) entworfene Bodenmosaik, das einen Großteil des Platzes bedeckt und einen stilisierten Halbleiterwafer darstellt. Halbleiterwafer sind die Basis für alle mikroelektronischen Schaltungen. Die Siemens AG wollte damit ihre weltweiten Aktivitäten in Erlangen sowie den „auf Tradition beruhenden Willen zu Fortschrittlichkeit und Zukunftsbewältigung“ zum Ausdruck bringen. So entstand aus dem symbolischen Kreis der Erdkugel der stilisierte Siliziumwafer. Blasius Gerg verwendete dafür die Materialien der umliegenden Gebäude: Travertin, Stahl und Ziegel. „Die Materialien sind so gewählt, daß sie bei jedem Schritt einen unterschiedlichen Klang geben sollen, den Schreitenden erinnernd, dass sich mit jedem seiner Schritte die Welt verändert“. Die Ahornallee am Rande des Platzes stellt bewusst eine Verbindung zum Wittelsbacherplatz in München her, dem Sitz der Firmenleitung der Siemens AG.

Erwähnenswert ist außerdem, dass sich von 1946 bis 2001 im nahe gelegenen Schloss Pretzfeld eine Entwicklungsabteilung und Fertigung für Leistungshalbleiter befanden. Der dort entwickelte Siemens-Prozess zählt bis heute zu den Grundtechnologien der Mikroelektronik. Die ebenfalls dort entwickelten und hergestellten Leistungshalbleiter bilden eine Grundlage für die heutigen Erfolgsprodukte der Firma Infineon, die aus der Siemens AG hervorging.

Roter Platz in Erlangen - Fotos

Gefährdung

Der Rote Platz in Erlangen ist ein geradezu paradigmatisches Zeichen für die neuere Technik-, Wirtschafts- und Architekturgeschichte, wie es in dieser Dichte in Bayern sicher kein zweites Mal vorhanden ist. Dieses Ensemble sollte unbedingt erhalten werden. Leider ist die Integrität des Platzes durch die jüngsten Planungen der Stadt Erlangen gefährdet. Dieser soll einem klimagerechten „Grünen Platz“ mit einem „Klimawald“ und Hochbeeten als zentralem Treffpunkt für das Quartier weichen.

Neben dem „Himbeerplast (D-5-62-000-959)“ und dem Glaspalast (D-5-62-000-1032) sollte auch die Platzanlage und die „Elefantentreppe“ unter Einzeldenkmalschutz gestellt werden. Für die „Siemens City“ (alle Gebäude um den Platz) könnte ein Ensembleschutz sinnvoll sein.

Literatur

Aktuelle Planung

Bebauungsplan 181 der Stadt Erlangen

Zusammenfassende Erklärung Bebauungsplan

Wettbewerbsergebnis "Big Apple"

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