Einst schönstes Fachwerkhaus Bayreuths, Foto: Brigitte Trausch - Foto: Brigitte Trausch

verloren

Bauernhof mit Zierfachwerk
Rödensdorfer Str. 28, 95448 Bayreuth

Eingestellt von: Rettet die Fachwerk- und Sandsteinhäuser e.V.
Eingestellt am: 04.12.2020
Geändert am: 15.05.2026

Bayerische Denkmalliste: eingetragen
Denkmalatlas / Aktennummer: D-4-62-000-432
Denkmal-Typ: Einzeldenkmal

Bauernhof mit Zierfachwerk

Denkmalfrevel in Bayreuth

Das große, denkmalgeschützte Bauernhaus (D-4-62-000-432) in Bayreuth, Rödensdorfer Straße 28 war mit seinem reichen Zierfachwerk an der Süd- und der breiten, nach Osten ausgerichteten Hofseite sowie dem mit Stanniolmalerei verzierten, verschieferten Giebel eines der schönsten Bauernhäusern des Landkreises Bayreuth. Seit 1986 gehört es durch Eingemeindung zur Stadt Bayreuth.
Der Bauernhof mit sehr großer Scheune und inliegender Quelle gehörte in seinen Anfängen wohl zu einem der Urhöfe, die sich unterhalb eines Turmhügels an der Gabelung zweier Altstraßen befanden. Der ursprünglich kleinere Hof wurde wie die Sandsteine des Erdgeschosses und die Jahreszahl am verschieferten und bemalten Giebel bewiesen, 1802 erweitert.

Nachdem die letzte Bäuerin verstorben war, verkauften deren Kinder das Haus an eine Bambergerin, die jedoch schnell das Interesse verlor und der Niedergang begann. Wir als Verein versuchten das Haus zu erwerben, erhielten auf unsere vielen Briefe jedoch nie eine Antwort. 2013 verkaufte sie einem Bayreuther das Anwesen. Anfangs waren wir hoffnungsfroh, leider stellte sich sehr schnell heraus, dass sich durch offene Fenster und nicht repariertes Dach der Verfall beschleunigte. Zudem kroch der inzwischen armdicke Efeu unter die Verschieferung bis ins Dach und sprengte nicht nur die Fensterläden aus der Verankerung, sondern auch die verzierten Schieferplatten ab. Ungeschützt war nun die Verbretterung der Witterung ausgesetzt. Im Frühsommer 2018 stürzte der nordöstliche Teil des Daches über dem Stall ein. Statt den Anordnungen der Unteren Denkmalbehörde nachzukommen und ein Notdach zu errichten, riss der Eigentümer selbst die zweite Hälfte des Daches ein. Instabil geworden stürzten die zwei nordöstlichen Fachwerksegmente ab. Der Sturm Sabine im Januar 2020 verursachte den Absturz eines weiteren Segmentes.

Das denkmalgeschützte Haus schwebt in allerhöchster Gefahr! Der Eigentümer sitzt alle Anweisungen aus und wird sein Ziel - den Abbruch - bald erreicht haben!

Bauernhof mit Zierfachwerk - Fotos

Gefährdung

Das Anwesen ist extrem gefährdet, weil bislang keinerlei Schutzmaßnahmen zur Sicherung des Zierfachwerks und des offenen Dachs vorgenommen wurden.

Verlust

Unsere Aktivitäten zum Erhalt des denkmalgeschützten, regionaltypischen Fachwerkhauses Rödensdorf 28

  • Wir nahmen wiederholt Kontakt mit den Eigentümern auf
  • Wir informierten laufend die Untere und Höhere Denkmalschutzbehörde über den fortschreitenden Verfall: über offene Fenster bei Schnee, Regen und Sturm, über die Abnahme der schützenden Verschieferung am Südgiebel, über die eingestürzte rechte Dachhälfte, über die Flachlegung der linken Dachhälfte durch den Eigentümer, über die drohende Loslösung der Fachwerkwände.
  • Wir führten Gespräche mit Behörden (Bauabteilung der Regierung von Oberfranken und der Stadt Bayreuth) und Stadträten
  • Wir vermittelten Kaufinteressenten
  • Wir kontaktierten den Landesdenkmalrat
  • Wir reichten 2019 eine Petition an den Bayerischen Landtag ein. Es folgte ein Ortstermin in Rödensdorf, der bei den Medien zwar großes Interesse weckte, den weiteren Verfall des Hauses aber nicht stoppen konnte.
  • Wir überzeugten die Eigentümer, an der Förderinitiative „Innen statt außen“ teilzunehmen. Daraus geworden ist allerdings nichts.
  • Das Landesamt für Denkmalpflege informierte uns über die angestrebte Anastylose (Rekonstruktion eines verfallenen, historischen Bauwerks mit dessen original erhaltenen Materialien). Durchgeführt wurde sie nie.
  • Uns wurde von der Unteren Denkmalschutzbehörde die Errichtung eines Notdaches angekündigt, geschehen ist allerdings nichts.

Wir fragten und fragen daher unter anderem

  • Warum wurde kein Notdach durchgesetzt?
  • Warum wurden die verhängten und geleisteten Strafgelder nicht zur Sicherung verwendet?
  • Warum erfolgte keine Enteignung oder Nutzung des Vorkaufsrechts?
  • Warum wurde der Abtragung des aus stabilen Sandsteinquadern errichtete Erdgeschoss zugestimmt?
  • Wo befinden sich die ausgebauten bzw. eingelagerten Bauteile? Ist die bemalte Verschieferung darunter?

 

Im Dezember 2023 wurde der Abriss vollzogen. Die Bauteile wurden laut BLfD eingelagert. Seitdem liegt das Grundstück brach. Das viel besuchte Gaststätte ist inzwischen auch geschlossen.

Wir bedauern sehr, dass das öffentliche Interesse erst nach der Auszeichnung als „Abrisssieger 2023“ einen solchen Ansturm auslöste.

Zwölf Jahre lang kämpfte unser Verein für die Rettung des Hauses.

Eine der wenigen, die sich mit Herzblut für den Erhalt von Rödensdorf 28 eingesetzt hat, ist Frau Dr. Sabine Weigand, der wir noch einmal herzlich danken!

Kontakt

Brigitte Trausch

Vorsitzende „Rettet die Fachwerk- und Sandsteinhäuser! e.V.“
brigitte. trausch@t-online.de
Tel. 0921/44130

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