Evangelisches Vereinshaus Weiden
Traditionsreiches evangelisches Vereinshaus Weiden 2025 abgerissen. Von der Kirche aufgegeben, von Investoren angegriffen, von Einkaufszentrum und Parkhaus eingemauert.
Das Vereinshaus Weiden (zuletzt Haus der Evangelischen Gemeinde) ist verloren. Wie 2023 schon angekündigt wurde es 2025 als völlig intaktes, nutzbares Gebäude in gutem Zustand abgerissen. Mit viel Energie, ehrenamtlichem, solidarischem Engagement aus der ganzen Region war es in schwierigsten Zeiten, nämlich 1927 (!) an der Ecke Wolfram-Straße – Goethestraße als kulturelles, soziales und geistiges Zentrum für Veranstaltungen ganz verschiedener Art erbaut worden. Darin drückte sich die Lebensfreude und der Optimismus der 20er Jahre aus! Besonders herauszuheben war sein großzügiger Saal mit tadellosem Eichenparkett, Empore im Art-Deco–Stil für 500 Gäste. Es war lange Jahre ein offenes Haus für Bälle, Swing und Rock'n Roll -Tanzveranstaltungen (Charlotte Sextett, Metro-Band), Parties, Feste, Synoden und Vortragsveranstaltungen (Freunde der evangelischen Akademie Tutzing). Klassische Konzerte von höchstem Rang (Koeckert Quartett) und professionelle Theateraufführungen (Städtebund - Theater) fanden über Jahrzehnte darin statt.
Das Vereinshaus hatte Zugang über zwei großzügige Außentreppen von der Goethestraße und Wolframstraße. Über das Foyer mit Garderobe gelangte man in den großen, hellen Saal mit Galerie, Bühne, mehreren Nebenräumen, Büros sowie einen kleinen Saal mit Kleinkunst-Bühne im Souterrain für 150 Personen.
Die Substanz des Vereinshauses war noch zum Zeitpunkt des Abrisses in sehr gutem, gepflegten Zustand. Das Vereinshaus Weiden repräsentiert als gemeinschaftliche Leistung vieler Menschen auch heute noch die Zeit des Aufbruchs der 1920er Jahre. Damals stand es noch in einem gründerzeitlich geprägten Stadtviertel mit Garten- und Grünbereichen, welches nach 1945 über die Jahrzehnte sukzessive abgerissen worden war. Heute ist es Geschichte – ausgerechnet an der Wolframstraße und Goethestraße - denkmalwürdig war es zugleich dem Tod geweiht und stand schließlich in schärfstem Kontrast zur umgebenden neuesten Bausubstanz, welche das Vereinshaus mit einer brutalen Planung der neuesten Zeit überdeutlich konfrontiert. Das Ende des Vereinshauses ist der tragische Schlusspunkt einer fehlgeleiteten Stadtentwicklung, welche sich für städtebauliche und baukulturelle Bezüge und innovative Nutzungskonzepte über Jahre und Jahrzehnte blind zeigte. Das Gute räumt den Platz der schlechten Umgebung, welche das Haus städtebaulich schier verschlang.
Evangelisches Vereinshaus Weiden - Fotos
Gefährdung
Das Vereinshaus war seit wenigen Jahren durch die Shopping Mall NOC (Nord-Oberpfalz-Center) mit mehrstöckigem Groß-Parkhaus förmlich ummmauert worden. Eine Initiative aus der Bürgerschaft gegen diese Shopping Mall – ursprünglich eine Planung, mit welcher die in Fürth gescheiterten Investoren auf die Stadt Weiden zukamen – führte nur zu Verzögerungen, aber nicht zum Erfolg. Das als städtebaulich aggressiv zu bezeichnende Konzept dieser Mall nahm keinerlei Bezug zur Umgebung auf. Insbesondere wurde das Vereinshaus planerisch nicht nur ignoriert, sondern isoliert. Von Anbeginn zielten einflussreiche Akteure auf den Abriss des Vereinshauses (z.B. mit der öffentlichen Bezeichnung als „Bauruine“ trotz völlig intakter Bausubstanz). Das Vereinshaus sah sich auf drei Seiten hohen Betonmauern gegenüber. Integrierende Konzepte wurden nicht vorgelegt. 2021 beschloss der Kirchenvorstand Weiden einstimmig den Verkauf des Vereinshauses.
Artikel vom 25.11.2022 in O-Netz
Nachdem der Verkauf unter Dach und Fach ist, war erst jetzt zu lesen, dass der Käufer den Abriss noch 2023 plante. Die Gemeinden des Dekanats wurden darüber erst im Juni informiert. Entstehen sollen zwei Wohnblöcke, was bis zuletzt geheim gehalten worden war.
Artikel vom 23.6.2023 in O-Netz
Die Leitung der evangelischen Kirche erklärt: „Solche Räume für Faschingsbälle wie früher vorzuhalten ist [...] keine Kernaufgabe der Kirche.“ sagt Dekan Guba. Damit wird das bayernweite Konzept der Kirche verfolgt, sich von Gebäuden zu trennen. Das Vorgehen wird auch von Regionalbischof Stiegler befürwortet: „Gut so“. Der Oberbürgermeister Meyer äußerte: „Die Diskussion hatten wir schon vor 15 Jahren, da müssen wir jetzt durch.“ Die Möglichkeiten eines Raumes der gesellschaftlichen Begegnung, eines Gemeinschaftshauses, wie sie derzeit vielerorts in Bayern neu gebaut werden, werden in Weiden an dieser Stelle weder von der Kirche, noch von der Stadt, noch von Investoren ebenso wenig gesehen wie die Möglichkeiten, dieses bedeutsame Gebäude auch in die neue Planung zu integrieren.
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