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Klosteranlage Ebrach mit Bamberger Tor

Solaranlage und Schwerverkehr gefährden das Denkmalensemble

Eingetragen von:
Dr. Dieter Martin

Eingetragen am:Geändert am:
27.10.201426.01.2015
Bayerische Denkmalliste:Typ:

Beschreibung:

Das im 12. Jahrhundert gegründete Kloster Ebrach ist die älteste und stets vornehmste Niederlassung des Zisterzienserordens in Franken. Die Klosterkirche sei „der großartigste frühgotische Bau, den Deutschland hervorgebracht hat“, urteilte das Dehio-Handbuch bereits 1905 (online lesen, hier S. 92/93ff.). Sie folgt laut Dehio den Formen, die man in den südlich von Rom gelegenen Zisterzienserkirchen Fossanova und Casamari sehen kann.

Bei den Abtei- und Klostergebäuden handelt es sich um eine ausgedehnte, mehrflügelige Anlage, die gegen den Garten eine Dreiflügelanlage ausbildet. Das Kloster errichtete Leonhard Dientzenhofer 1687-98/1701, die Abtei Joseph Greissing 1715-33. Das Dehio-Handbuch hob bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hervor, dass das Kloster „trotz der langen Bauzeit völlig einheitlich im Plan und nahezu einheitlich in den Stilformen“ gestaltet sei. Die Klostergebäude eröffneten für Franken die Reihe der mächtigen Anlagen aus dem Jahrhundert vor der Säkularisation.
 
Das als Prunktor aus Sandstein gestaltete Bamberger Tor stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Es wurde wohl von Johann Jakob Michael Küchel geschaffen.
 
Zusätzlich zu den Einträgen der einzelnen Gebäude in die Dekmalliste ist das Klosterareal als Ensemble geschützt. Es setzt sich aus drei Bereichen zusammen: erstens dem Kloster und der Klosterkirche als historischem Kern und Hauptteil der Anlage, zweitens dem "Bauernhof", einem dem Kloster nördlich vorgelagerten Wirtschaftshof sowie drittens der Vorstadt westlich außerhalb der ehemaligen Klausur,  dem heutigen Marktplatz. Durch die Gliederung und die innerhalb des Ensemble- und Klosterbereichs gelegenen, erhaltenen Abteigärten blieb dem historischen Kern des Marktes Ebrach der Charakter des barocken Klosters erhalten.

Gefährdung:

1. Gefährdung des Gesamteindrucks durch ungenehmigte Solaranlage
 
Das Landratsamt Bamberg duldet seit Jahren die selbst einem Laien einsichtige optische Störung von Bamberger Tor und Gesamtanlage; der Erlass einer Beseitigungsanordnung nach Bauordnung und Denkmalschutzgesetz würde der ärgerlichen Störung sofort ein Ende machen. Offensichtlich dringt auch der Freistaat Bayern als Eigentümer von Tor und Klosteranlage nicht auf eine Beseitigung.
 
2. Gefährdung durch Schwerverkehr
 
Am 23. Oktober 2014 berichtete der Fränkische Tag: „Knifflige Manöver […] werden Brummi- und Bus-Fahrern aus dem Osten und dem Norden abverlangt, wollen sie ihre Gefährte unbeschadet durch das Denkmal bugsieren. Das ist oft Millimeterarbeit, bei bis zu vier Metern Höhe, 3,55 Meter Breite und über 18 Metern Gespann-Länge. Jedes Jahr kracht und bröckelt es an dem Sandsteingebilde mindestens ein bis zwei Mal. Zu oft für den Denkmalschutz“. Die für den Unterhalt des Tores zuständige Immobilien Freistaat Bayern (IMBY), so die Zeitung weiter, habe „ihre liebe Last damit“. Das Bamberger Tor werde ein bis zwei Mal von einem Lkw beschädigt, weiß die Zeitung. Dadurch entstünden dem Freistaat jährlich 1000 bis 8000 Euro Kosten. Das Landesamt für Denkmalpflege drängt nun auf eine Lösung. Bei einem Ortstermin kamen Vertreter der zuständigen Ämter und Institutionen, die mit dem Bamberger Tor zu tun haben, zusammen: neben dem Landesamt für Denkmalpflege das Staatliche Bauamt (Hochbau, Straßenbau), die Immobilien Freistaat Bayern sowie die Marktgemeinde Ebrach.
 
Aus Sicht des Denkmalschutzes gefährdet der Schwerlastverkehr insbesondere auch die sanierungsbedürftige Stützmauer an der Pfarrkirche und am ehemaligen Klostergarten sowie das gesamte Gebäude-Ensemble.
 
Noch ist keine Lösung in Sicht. Die Behörden sind zum Handeln aufgefordert.

Adresse

Bamberger Straße
96157 Ebrach

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