Walmdach, Fensterläden, neubarocker Schweifgiebel: repräsentatives Wohnen in den 1920er Jahren.

Ostermaiervilla in München-Laim Verloren

Villa von 1925 im Münchner Stadtviertel Laim abgerissen

Helmpertstraße 3
80687 München

Eingetragen von:
Lebenswertes Laim

Eingetragen am:
11.06.2012
Geändert am:
28.09.2017

Sie spiegelte ein wichtiges Stadium der Entwicklung Laims vom Dorf zur Vorstadt Münchens wider, die Villa aus den 1920er Jahren im Münchner Stadtviertel Laim. Aus einem Ort mit Herrschaftssitz wurde nach der Eröffnung des Rangierbahnhofs 1892 ein Arbeiterviertel und schließlich ein Vorstadtviertel, in dem sich auch wohlhabendere Bürger ansiedelten. Eine Mischung aus Wohnanlagen, Einfamilienhäusern und Villen wurde zum Charakteristikum der Gegend.

Karl Ostermaier (1880-1939) hatte die Villa im Jahr 1925 bauen lassen. Die Pläne hatte der Architekt August Zemsch entworfen. Sicherlich beeinflusst durch die Gartenstadtbewegung ließ Ostermaier ein ländlich-elegant wirkendes Wohnhaus errichten, das von einem Garten umgeben war. Wohl bewusst wichen Bauherr und Architekt mit der offenen Bauweise von der damals für die Straße vorgesehenen geschlossene Bebauung ab. Sie setzen somit ein eigenständiges Zeichen gegenüber dem Staffelbauplan, den der Architekt und Stadtplaner Theodor Fischer als Chef des Stadterweiterungsreferats als eine Art Generalbebauungsplan entwickelt hatte.
 
Dem traditionellen Bauen verpflichtet zierte das Walmdach eine markante Gaube mit Schweifgiebel in neubarocken Formen. Über der rundbogigen Eingangsnische bot ein verziertes Vordach Schutz. Außer den Sprossenfenstern mit Fensterläden gliederte ein umlaufendes Gesims reizvoll zurückhaltend die Fassade.
Das äußere Erscheinungsbild des Hauses war weitgehend ungestört erhalten. Lediglich Dachgauben waren seitlich nachträglich angebracht worden. Die meisten Türen und viele Fenster waren noch original erhalten.
 
Unmittelbar neben der ensemblegeschützten Wohnsiedlung in der Stadtlohner Straße gelegen, die 1909 bis 1911 nach Entwurf von Theodor Fischer errichtet wurde, prägte die Villa das Erscheinungsbild ihrer Umgebung. Sie bildete einen Kontrapunkt zur geschlossenen Bebauung.
 
Als typisches Wohnhaus für Bürger, die im vorstädtischen Raum ihr Selbstbewusststein baulich zum Ausdruck bringen wollten, setzte sich der Bau von der zeitgenössischen Reihen- und Mietshausarchitektur im Stadtviertel ab. Er stand auch stellvertretend auch für viele andere ähnliche Wohnhäuser in Bayern, die die Tradition des neubarocken Bauens bis in die 1930er Jahre fortsetzten. Er war historisches Zeugnis der regen Bautätigkeit in Laim in der Zeit zwischen den Weltkriegen, als der Stadtteil am stärksten in seiner Geschichte wuchs.
Gefährdung

Verlust

Als für das Grundstück ein Bauantrag gestellt wurde, ließ die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt München die Villa vom zuständigen Landesamt für Denkmalpflege auf ihren Denkmalwert hin begutachten. Urteil der amtlichen Denkmalpfelger: das Haus lasse "keine besondere Bedeutung erkennen". Da kein "Bezug zum zeitgenössisch-modernen Bauen" erkennbar sei und weder Auftraggeber noch Architekt bekannte Persönlichkeiten gewesen seien, wurde es nicht in die Denkmalliste nachgetragen. Auch einen Bezug zum direkt benachbarten Denkmalensemble konnten die amtlichen Denkmalschützer nicht sehen.

Dagegen formierte sich vor Ort eine Bewegung, die sich für den Erhalt der Villa stark machte. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes München - liebenswertes Laim" sammelte mehrere hundert Unterschriften für den Erhalt des Hauses. Der Bezirksausschuss Laim sprach sich mit nur einer Gegenstimme für den Erhalt des Hauses aus.

Intensiv korrespondierte die Bürgerinitiative mit dem Landesamt für Denkmalpflege, um einen Nachtrag in die Liste zu erreichen. Doch vergeblich. Noch während des Briefwechsels ließ der Bauträger die Bagger anrücken und machte ein Stück Laimer Geschichte dem Erdboden gleich.

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