Niederbayern, Passau Aufzug Oberhaus Gefährdet

"Der Aufzug zur Oberhaus – untot in Passau"

Oberhaus 125
94034 Passau

Eingetragen von:
Dr. Dieter Martin

Eingetragen am:
23.10.2017
Geändert am:
27.10.2017
Bayerische Denkmalliste:
eingetragen
Typ:
Einzeldenkmal im Ensemble

Das Baudenkmal und das Ensemble sind mit folgendem Text in der Denkmalliste eingetragen:

Nr: D-2-62-000-438

„Veste Oberhaus, heute Museum, Baugruppe auf keilförmigem Felsmassiv zwischen Donau und Ilz, mit äußerem und innerem Burghof, von Fürstbischof Ulrich II. als Schutzburg ab 1219 errichtet, im 15. und 16. Jh. erweitert, 1674-1723 Umbau und Ausbau der Befestigungsanlagen nach dem System Vauban; mit Ausstattung:
Burgkapelle St. Georg, Saalbau, im Kern romanisch, erweitert Ende 13. Jh., Westturm 1507; Fürstenbau und Dürnitz (sog. Böhmerland), dreigeschossiger Flügelbau, im Kern 13. Jh., erweitert im 15. Jh., Vereinheitlichung der Fassaden und Attikageschoss um 1670/80; sog. Schachnerscher Saalbau mit nördlichem Tortrakt, spätgotischer dreigeschossiger Saalbau mit steilem Walmdach und Rittersaal im Obergeschoss, bez. 1499; Tollhaus, mehrgeschossiger Walmdachbau, im Kern mittelalterlich, Umbau 1. Hälfte 16. Jh.; Burgbrunnen, Umfassung aus Sandsteinquadern, wohl 14. Jh.; Torturm, fünfgeschossiger Bau mit Walmdach, im Kern 14. Jh., Vorbau mit Schopfwalm; ehem. Kommandantur und Zeughaus mit südwestlich anschließendem sog. Trenbachbau, zweigeschossiger Walmdachbau, wohl um 1570; ehem. Benefiziatengebäude, dreigeschossiger Satteldachbau, wohl 2. Hälfte 16. Jh.; ehem. Lazarettgebäude, dreigeschossiger Walmdachbau, wohl 16. Jh.; ehem. Burgtaverne im äußeren Burgbereich, zweigeschossiger Walmdachbau, 1. Hälfte 16. Jh., 1965 zur Jugendherberge ausgebaut, nördlich mit ehem. Profosenturm verbunden, 1. Hälfte 16. Jh.; ehem. Generalsgebäude im äußeren Burgbereich, mit Torbau (sog. Riestor), fünfgeschossiger turmartiger Walmdachbau, bez. 1597, barock überformt; Brücke, über den Bärengraben, mit massiven Pfeilern aus Bruchstein, erneuert; ehem. Schildwache, im äußeren Burgbereich, eingeschossiger Walmdachbau; Befestigunganlagen: Bering der Vor- und Hauptburg mit Zwingeranlagen, Schalen- und Halbtürmen, Pulvertürmen, um 1400, ausgebaut in den folgenden Jahrhunderten, fächerartiger Wallgürtel mit Bastionen und Gräben aus dem späten 17. und frühen 18. Jh., z. T. wiederhergestellt 1988.“

 

Ensemble:

Nr. E-2-62-000-1 Altstadt Passau mit Vorstädten

„Das Ensemble umfasst die Altstadt von Passau in ihrer spätmittelalterlichen Ausdehnung einschließlich der westlichen Vorstadt "Neumarkt" und den gegenüberliegenden Flussufersiedlungen an Inn, Donau und Ilz in den Grenzen der ehem., im 15. Jahrhundert abgeschlossenen Stadtbefestigung. Hinzu kommen die Festungen Ober- und Niederhaus sowie der Mariahilfberg als stadtbildprägende Elemente“

 

Auszüge aus Medien:

Bayerischer Rundfunk:

„Gondelbahn auf Oberhaus Passau: OB lässt Bürger entscheiden - Eine Diskussion über eine Seilbahn auf die Veste Oberhaus in Passau sorgt erneut für Gesprächsstoff. Wenn es nach Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) geht, sollen die Bürger entscheiden. Das Thema kommt in regelmäßigen Abständen auf den Tisch.
https://br24.de/nachrichten/gondelbahn-auf-oberhaus-passau-ob-laesst-buerger-entscheiden,QYTFTeR

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Passauer Neue Presse:

Auszug vom 17.10.2017

"Neuer Vorstoß: Eine Seilbahn zum Jubiläum der Veste

http://www.pnp.de/lokales/stadt_und_landkreis_passau/passau_stadt/2695657_Neuer-Vorstoss-Eine-Seilbahn-zum-Jubilaeum-der-Veste.html

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Wochenblatt:

Auszug vom 17.10.2017

Manfred Eichberger: „Die Talstation wird an der Auffahrt auf die Schanzlbrücke errichtet. Und die Trasse verläuft schräg über die Donau. Dadurch schützen wir Passaus einzigartige Altstadtkulisse und machen die Fahrt auf den Georgsberg gleichzeitig zu einem echten Erlebnis. Die Bergstation wird im Georgsberg verschwinden und aufgrund des steilen Geländes muss auch keine Schneise geschlagen werden. Hinzu kommt: Seilbahnen verursachen keine CO2-Belastung, wenn sie mit Öko-Strom betrieben werden, sind praktisch lautlos und auch der Flächenverbrauch ist im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln unschlagbar gering. Seilbahnen sind deshalb das ökologischste Verkehrsmittel der Welt und werden mittlerweile rund um den Globus in vielen Städten für den ÖPNV eingesetzt. Innerstädtische Seilbahnen steigern also die Lebensqualität der Anwohner. So kann eine Seilbahn bis zu 2000 Auto- oder 100 Busfahrten überflüssig machen. Das bedeutet: weniger Lärm, weniger Abgase, weniger Staus.“

http://www.wochenblatt.de/nachrichten/passau/regionales/Passau;art1173,477163

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Bemerkungen des Denkmalnetzes Bayern:

Als Vorbild für Passau wird vom möglichen Investor die Seilbahn in Koblenz genannt. Auch sie ist eigentlich nur zeitlich befristet genehmigt.

Links

https://www.seilbahn-koblenz.de/start.html

https://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/koblenz_artikel,-koblenz-wie-kann-die-seilbahn-weiter-gondeln-_arid,1697173.html

Dem Denkmalnetz sind über die Jahre und Jahrzehnte mehrere andere vergleichbare Projekte genannt, die wie Untote alle paar Jahre wieder aus der Versenkung auftauchen und regelmäßig scheitern, weil sie Stadtbilder, herausragende Denkmäler und ganze Landschaften verschandeln können.

Wir verweisen auf folgende Beispiele:

1. Festung Marienberg in Würzburg:

Hierzu Links

http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/inhalt/entwuerfe-festungsaufzug-wuezburg-100.html

https://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/mosaik-Festung-Marienberg-Festungen;art735,8147758

2. Burg Trausnitz in Landshut:

„Taucht der Burgaufzug wieder aus der Versenkung auf?“

http://www.idowa.de/inhalt.landshut-taucht-der-burgaufzug-wieder-aus-der-versenkung-auf.50bddcae-6a8e-472b-ba1a-80c7fb53240a.html

3. Plassenburg Kulmbach:

Anfang der neunziger Jahre war eine Standseilbahn zur Erschliessunng der Burg ins Gespräch gebracht und in Kulmbach heftig diskutiert worden. Nach dem Amtsantritt von Oberbürgermeisterin Inge Aures (SPD) wurden die Pläne ad acta gelegt. Die Verkehrserschließung der Burg allerdings blieb politisches Dauerthema.

http://www.infranken.de/regional/kulmbach/Bald-mit-dem-Auto-auf-die-Plassenburg;art312,1023467

4. Mittelrheintal:

Auszug aus Rhein-Zeitung vom 5.7.2017:

Icomos-Deutschland: Eingriff in das Erscheinungsbild des Mittelrheintals abgelehnt

„Die Beraterin Dr. Ramona Simone Dornbusch vom Landesdenkmalamt Berlin von Icomos-Deutschland begründet ihre Empfehlung: „Die Unesco-Welterbestätte Oberes Mittelrheintal dokumentiert als eine der größten historischen Flusslandschaften Europas in einzigartiger Weise die jahrtausendlange Interaktion zwischen Mensch und Natur. Diese Entwicklung kondensiert sich anhand der kulturellen Zeugnisse, die an den Talhängen als Kette von Burgen, Festungen, Schlössern, Kirchen, Siedlungen und einem kleinteiligen Nutzungsmosaik von Berg- und Weinbau sowie Wald- Landwirtschaft in Erscheinung treten. Diese verschiedenartigen natur- und kulturgeschichtlichen Zeugnisse sind mit einem Geflecht von Assoziationen verbunden, worin sich letztlich die imaginäre Historie des Rheintales und seine große touristische Anziehungskraft seit dem 17. Jahrhundert begründet. In dem Landschaftsausschnitt, in dem das Vorhaben geplant ist, tritt dies in besonderer Weise zutage. Hier verändert sich nicht nur der natürliche Flussverlauf auf seine schmalste Stelle und schafft abwechslungsreiche Landschaftsbilder, sondern hier befindet sich auch der sagenumwobene Loreley-Felsen, der sich in der Reiseliteratur und Landschaftsmalerei als typisches Motiv zuweilen als Inbegriff für das Mittelrheintal etabliert hat. Ein Eingriff in das Erscheinungsbild des Tals, etwa durch die Hinzufügung eines Brückenbauwerks wie die Hängeseilbrücke, würde eine Beeinträchtigung der visuellen Integrität des Unesco-Welterbes bedeuten, die aus fachlicher Sicht von Icomos-Deutschland nicht akzeptabel ist.“

Link https://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/bad-ems_artikel,-icomosberater-haengeseilbruecke-nur-im-seitental-welterbevertraeglich-_arid,1672605.html

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All diesen Projekten ist gemeinsam, dass sie zwar von politischer Seite und aus kurzsichtigen Bestrebungen des Tourismus betrieben werden, aus Gründen des Denkmalschutzes und des Landschaftsschutzes aber nicht genehmigungsfähig sind. Die jeweiligen Städte gefährden damit ihre ohnehin nicht großen Chancen auf die Aufnahme (oder ihren Verbleib) ins Weltkulturerbe; entsprechende Bemühungen hat Passau aber wohl schon vor etlichen Jahren aufgegeben:

https://regiowiki.pnp.de/wiki/Weltkulturerbe_Passau

http://www.pnp.de/lokales/stadt_und_landkreis_passau/passau_stadt/333846_Passau-gibt-auf-Keine-Bewerbung-um-Weltkulturerbe.html

Das Denkmalnetz Bayern bedauert den erneuten Vorstoß in Passau, setzt aber auf eine entschiedene Haltung des Landesamtes für Denkmalpflege. Es wird den weiteren Fortgang der Angelegenheit aufmerksam verfolgen.

 

Name Anmelder Dieter Martin

Datum: 20. Oktober 2017

Gegebenenfalls

Adresse: Oberhaus 125 94034 Passau

Weitere Informationen: Hinweis auf Fotos und Anderes in den Medien. Aufnahmen von Passau und von Oberhaus im Denkmalatlas

Gefährdung

Wieder einmal soll ein herausragendes bayerisches Denkmal mit einer technischen Anlage erschlossen werden, diesmal in Form einer „fantastischen“ Gondelbahn zur Veste Oberhaus. Nach Presseberichten wird „seit Jahrzehnten darüber geredet, spekuliert, geplant – und immer wieder verworfen. Ein Touristik-Unternehmer stellte Pläne für eine solche fantastische Aussichtsbahn zur Burg vor, die schon bis 2019 zum 800-jährigen Jubiläum der Veste Oberhaus umgesetzt werden könnten. 80 Monate für 800 Jahre Veste Oberhaus soll sie fahren – dann könnten die Bürger entscheiden, ob sie bleibt oder wieder abgebaut werden soll.

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