Unterfranken, Kreis Schweinfurt, Gemeinde Schonungen, Schloss Mainberg Gefährdet

Mainberg – gefördert aber noch nicht gerettet

Ernst-Sachs-Str. 6
97453 Schonungen

Eingetragen von:
Dr. Dieter Martin

Eingetragen am:
27.10.2017
Geändert am:
27.10.2017
Typ:
Einzeldenkmal

Das Baudenkmal ist mit folgendem Text in der Denkmalliste eingetragen:     

Schloss Mainberg, vierflügelige Burganlage mit Vorburg und Ringmauer, Bergfried 13. Jh., Wohnbauten spätgotisch, Torbau 16./17. Jh., historistische Wiederherstellung nach 1822; Ausstattung, 1916-37 für Ernst und Willy Sachs von Franz Rank (München) u.a. Künstlern

Im Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Band Franken, 2. Auflage 1999, ist das Schloss gewürdigt:

"Schloss. Ab 1305 hennebergisch, Zerstörungen im Bauernkrieg 1525, 1542 würzburgisch. Wenigstens der Bergfried noch 13. Jh., Nordflügel um 1485/89, an der Hoffront Doppelwappen Henneberg/Braun­schweig-Lüneburg, bez. 1485, sowie stehende Muttergottes um 1370; die Kapelle mit Netzgewölben. Um- und Ausbau nach dem Übergang an das Hochstift Würzburg, Treppenturm bez. 1565. Einige Baumaßnahmen A. 18. Jh. Historistische Wiederherstellung nach dem Übergang in Privathand 1822. 1915–37 umfassende Instandsetzung und Umbau nach Plänen von Franz Rank und weitgehende Neuausstattung durch Anton Niedermayer, Heinz Schiestl, Mathias Schiestl und Max Heilmaier. – Wandmalereien im Waffensaal – Hl. Kilian – und in einem Wohnraum – Hochzeit Graf Wilhelms III. von Henneberg mit Margaretha von Braunschweig-Lüneburg – von Schiestl. – Im Hof Herkulesbrunnen von 1625."

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Weitere Informationen aus Medien:

1. Fränkischer Tag 24.1.2013

Schloss Mainberg droht der Verfall

Auszug aus dem Artikel von Günther Flegel: „Zu dem Unternehmer Wilhelm Sattler führt auch die zweite "Altlast" in Bürgermeister Rottmanns Gemeinde: Der Farbenfabrikant war einer der vielen Eigentümer des Schlosses Mainberg. Hier trafen sich Nazi-Größen wie Herrmann Göring zur Jagd, der Playboy Gunther Sachs wurde auf Schloss Mainberg geboren. "Es ist das unterfränkische Neuschwanstein", sagt Rottmann. Im Stolz schwingt Sorge mit: Die private Eigentümerin hat kein Geld, um auch nur den Unterhalt zu sichern, die öffentliche Hand winkt aus Angst vor einem Millionengrab ab. "Die Zeichen des Verfalls sind nicht zu übersehen", sagt der Bürgermeister.

In den Außenmauern klaffen handbreite Risse, Wasser tropft von den feuchten Stuckdecken auf die uralten Holzfußböden. … Bis vor zwei Jahren konnte die Eigentümerin die Räume vermieten. Kulturveranstaltungen und Hochzeiten wurden dort abgehalten, zünftige "Ritteressen" zogen Gäste an. Jetzt ist der Ofen aus: Wegen des mangelhaften Brandschutzes hat das Landratsamt in Schweinfurt öffentliche Großveranstaltungen untersagt, wegen Einsturzgefahr dürfen einige der Räume nicht von mehr als 20 Personen betreten werden.

Die Misere hat zwei Ursachen: Physikalisch macht ein weit verzweigtes System von unterirdischen Stollen dem Schloss zu schaffen. "Im Mittelalter hat man angefangen, und noch im Zweiten Weltkrieg wurden hier Luftschutzräume angelegt", weiß der Historiker Thomas Horling. Von der Mainberger Unterwelt gibt es keine Karten. "Viele Gänge sind eingestürzt.

Da sich zudem der Berg insgesamt bewegt, ist das Schloss in Gefahr", sagt Rottmann.  Die Stabilisierung des Untergrundes wäre der erste Schritt, um Mainberg zu retten, aber derzeit ist nicht einmal absehbar, woher auch nur das Geld für die Gutachten kommen soll - Teil zwei der Misere. "Die Eigentümerin hat nichts, und die staatlichen Stellen halten sich zurück, Geld in ein Fass ohne Boden zu stecken." Wie könnte das Geld fließen? … Ein schlüssiges Gesamtkonzept müsste her. "Das wäre dann ein Fall für den Entschädigungsfonds", heißt es beim Landesamt für Denkmalpflege. Dieser Sondertopf wird in Anspruch genommen, wenn die Erhaltung eines Denkmals den Eigentümer überfordert.

"Der Idealfall wäre ein finanzkräftiger Investor", sagt der Bürgermeister. Sehr finanzkräftig müsste der aber sein. Ein Verkauf scheiterte bisher an den Preisvorstellungen der Besitzerin - rund fünf Millionen Euro - und an den Folgekosten. Dass das Schloss zu einem symbolischen Preis den Besitzer wechselt und möglicherweise an die öffentliche Hand oder eine Stiftung fällt, ist unwahrscheinlich. Auf dem alten Gemäuer lasten Grundschulden von 3,5 Millionen Euro - eine Hypothek auch im übertragenen Sinn. Ein regionales Kreditinstitut müsste ganz oder teilweise auf sein Geld verzichten, um den Weg für einen Käufer frei zu machen.“

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2. Mainpost 13.11.2014

http://www.mainpost.de/regional/franken/Mosaik;art1727,8430970

MAINBERG Schloss Mainberg: Landesamt bezahlt Voruntersuchungen

Ein gutes Jahr war es auffällig still um Schloss Mainberg. Nun hat das Landratsamt Schweinfurt das Schweigen mit einer bemerkenswerten Nachricht gebrochen: Das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) wird die Kosten der Voruntersuchungen am Schloss übernehmen. Diese Untersuchungen sollen ein klares Bild aller Schäden ergeben und damit erstmals den Sanierungsaufwand einschätzbar machen.

Die Geschichte des Schlosses reicht ins 13. Jahrhundert zurück. Die weithin sichtbare Burg auf dem Hügel über dem Main besteht aus romanischen und gotischen Resten ebenso wie aus den – historisch nicht minder interessanten – Umbauten der Fabrikantenfamilien Sattler und Sachs im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

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3. BR 15.9.2017

http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/inhalt/schloss-mainberg-sanierung-102.html

Dank öffentlicher Gelder Schloss Mainberg wird vor dem Verfall bewahrt

Viele Jahre lang ist das Schloss Mainberg bei Schweinfurt verfallen, der privaten Eigentümerin fehlte das Geld für dringend nötige Sanierungsmaßnahmen. Nun gibt es Hoffnung, denn die öffentliche Hand steuert 700.000 Euro bei. ….

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4. Nürnberger Nachrichten 27.9.2017

http://www.nordbayern.de/region/uberfallige-nothilfe-des-staates-fur-schloss-mainberg-1.6684932

Überfällige Nothilfe des Staates für Schloss Mainberg

700 000Euro sollen Verfall des unterfränkischen Anwesens stoppen—Große Bedeutung für die Kultur-und Industriegeschichte

Aus dem Bericht von Michael Kasperowitsch

Die Bedeutung des märchenhaften Anwesens in Unterfranken für die Kultur- und Industriegeschichte über die Grenzen Bayerns hinaus ist unumstritten. Allerdings verfällt Schloss Mainberg bei Schweinfurt seit Jahrzehnten so vor sich hin. Die stolze Anlage mit 180 Räumen und 4000 Quadratmetern umbauter Fläche ist in Privatbesitz. Jetzt sorgt der Freistaat zumindest für einen Stopp des schleichenden Verfalls.

„MAINBERG —Die lange Mainberger Geschichte ist bis in die jüngere Vergangenheit hinein unvergleichlich wechselvoll und schillernd. … Nach einer ersten Phase des Verfalls wurde das Schloss mit Beginn des 19. Jahrhunderts dann ein Zentrum bayerischen Wirtschaftslebens mit einem hohen Promi-Faktor und High-Society Flair. Als rettender Prinz erschien zunächst Wilhelm Sattler, der Mainberg 1822 vom Staat (!) kaufte. … Nach seinem Niedergang, mitten im Ersten Weltkrieg, greift wieder ein cleverer Geschäftsmann mit einem bis heute klingenden Namen zu: Ernst Sachs. Der Industrielle legte unter anderem mit der Erfindung der kugelgelagerten Nabe oder dem berühmten Sachsmotor eine grandiose Karriere hin. Mainberg wurde protziger Familiensitz … Sachs’ Sohn Willy bekam der unermessliche Reichtum offenbar nicht besonders. Er entwickelte sich zu einem wohl verzogenen Feierbiest. … Ihr Sohn Gunter Sachs … galt später bekanntlich als der einzige deutsche Playboy von Rang und Namen. … Danach blühte Mainberg unter dem sogenannten Glatzenkönig Wilhelm Heger noch einmal kurzfristig auf. Die Blüte war aber nicht von langer Dauer, weil sich die Haarwunder-Versprechen Hegers und seiner Substanzen als allzu haarsträubend entpuppten.

… Seit den 1960er Jahren kam nicht nur die große Historie des Schlosses ins Rutschen, auch die Mauern gerieten in Bewegung. Manche Innen- und Außenwände drohen heute einzustürzen, überall Risse und Spalten. Jeder Regenguss beschleunigt den Verfall. … Vor gut einem Jahr —reichlich spät —hat sich der Freistaat endlich bereiterklärt, die Kosten in Höhe von rund 200 000 Euro für eine aufwendige Voruntersuchung zu übernehmen. Siesollte ein genaueres Schadensbild ergeben. Suche nach einer Perspektive Die obersten Denkmalpfleger des Freistaats bezeichneten die Förderung eines solchen Gutachtens in voller Höhe für ein Objekt in Privatbesitz als absolute Ausnahme. Die Bedeutung des Gebäudes sei einfach zu herausragend. Wie jetzt bekannt wurde, gibt der Staat noch einmal 700 000 Euro für Notmaßnahmen zum Erhalt von Schloss Mainberg. Es sind noch längst keine Schönheitsoperationen, es geht schlicht um lebenserhaltende Eingriffe. Risse im Mauerwerk sollen geschlossen, Stützen angebracht oder Dächer abgedichtet werden. Schweinfurts Landrat Florian Töpper (SPD) sprachhoffnungsvoll von einem „wichtigen Schritt zum Erhalt des Schlosses“. Die hohen Geldbeträge fließen aus dem sogenannten Entschädigungsfonds des Kultusministeriums. … Rosi Steinberger, Landtagsabgeordnete der Grünen und denkmalpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, mahnt nun eine „langfristige Perspektive“ für das heruntergekommene Sorgenschloss, ein Wahrzeichen Unterfrankens, an. Man brauche einen runden Tisch mit allen Beteiligten. Eine Möglichkeit wäre es, so Steinberger, Schloss Mainberg in das Eigentum des Freistaats zu überführen.“

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5. SZ vom 15.10.2017

Eine Schlossgeschichte für eine Fernsehsaga

http://www.sueddeutsche.de/bayern/unterfranken-eine-schlossgeschichte-fuer-eine-fernsehsaga-1.3705502

Auszug: Auf Schloss Mainberg residierte ein Unternehmer, der mit Arsen-Farben ein Vermögen machte. Später wurde hier Deutschlands bekanntester Lebemann geboren. Und heute? Steht man vor verschlossenen Toren.

… Die Namen, die darauf hindeuteten, wer die Geweihe an der Wand als Trophäen ins Schloss gebracht hat, die habe sie "gleich entfernt", erzählt die Eigentümerin. Die Namen von wem? Die Schlimmsten der Schlimmen, sagt sie. Tatsächlich ist bekannt, dass Göring, Himmler, Heydrich zu Gast waren in Mainberg. Und zwar in jenen Tagen, als Willy Sachs - der Sohn des fränkischen Industriebarons Ernst Sachs - in Schweinfurt sein neues Stadion eröffnen ließ. In seiner Geschichte der Sachs-Familie hat der Autor Wilfried Rott aufgeschrieben, wie Sachs in jenen Tagen zum SS-Sturmbannführer ernannt und Mainberg illuminiert wurde: Abends erglühte ein Profil Hitlers an der Schlossfront "als pyrotechnisches Meisterstück". Gunter Sachs, der Sohn von Willy, wurde 1932 im Schloss geboren; mit seinem Geburtsort wollte der Erbe, Fotograf und Kunstsammler aber Zeit seines Lebens wenig zu tun haben. …

Spätestens an der Stelle wird die Historie von Mainberg nebulös, das Schloss entschwindet aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Was schade ist, findet der Historiker Thomas Horling. Andernorts werde das Leben früherer Industriebarone längst touristisch präsentiert, man müsse nur an die Villa Hügel in Essen denken, das Repräsentationshaus der Krupps, sagt Horling. Die Geschichte der Sachs' und Sattlers wäre von ähnlichem Interesse, "aber Bayern hat sich zu lange fast ausschließlich auf seine Feudal- und Monarchiegeschichte konzentriert". Immerhin: Nach langem Kampf hat der Freistaat gerade 700 000 Euro zugesagt, um das Schloss in Privatbesitz wenigstens vorm gröbsten Verfall zu bewahren.“

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6. Auszug aus Wikipedia –

http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Mainberg

„1915 wurde Mainberg an den Unternehmer Ernst Sachs verkauft, der die Innenräume von Franz Rank im Stil der Zeit grundlegend umbauen ließ. Die historistisch-spätromantische Innenausstattung ist weitgehend erhalten und stellt ein - in dieser Qualität und aus dieser Zeit - für Bayern einzigartiges Gesamtkunstwerk dar. Sohn Willy Sachs verkaufte das Schloss 1955. Danach wechselte das Schloss mehrfach seinen Besitzer.“ 1961 Ersteigerung durch die Stadt ohne klare Nutzungskonzeption. Es waren verschiedene Nutzungen u.A. Bildungsstätte, Museum, Hotel, Gaststätte angedacht jedoch nichts davon wurde umgesetzt. Erneut Verkauf 1982. ... Eine Immobilienmaklerin erwarb das Schloss 2005 … Seit 2006 sind an der Giebelfront im Bereich der Dachrinnen Wasserflecken sichtbar, die sich in den folgenden Jahren stetig vergrößerten. Wegen statischer Probleme sperrte das Landratsamt Schweinfurt 2009 den Bereich der Vorburg weiträumig ab. Im Dezember 2011 erklärte Landrat Leitherer erstmals öffentlich, die Vorburg sei "schon jetzt nicht mehr zu retten". Wegen fehlender Brandschutzvorrichtungen untersagte das Landratsamt Schweinfurt bis auf weiteres jegliche Nutzung. Im Frühjahr 2011 brachen großflächig Steine aus der nördlichen Zwingermauer. Wegen aufgefrorener Leitungen und eindringender Feuchtigkeit wurde 2012 an mehreren Stellen Schimmelbildung sichtbar. Im Lucretienzimmer musste das Parkett wegen Hausschwammbefalls entfernt werden. Lokale und überregionale Medien berichteten über den besorgniserregenden Zustand des Schlosses“

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Literaturtipps:

Thomas Horling/Uwe Müller, Fürsten & Industrielle - Schloß Mainberg in acht Jahrhunderten, Historischer Verein Schweinfurt 2011

Thomas Horling, Schloss Mainberg in acht Jahrhunderten. Fürstensitz und Industriellenvilla. In: ARX. Burgen und Schlösser in Bayern, Österreich und Südtirol. Jg. 35,Nr. 2, 2013

Martin Brandl, „Im Krieg gebaut, auf Sieg vertraut“ –  Das Interieur für Ernst Sachs von Franz Rank  auf Schloss Mainberg, Denkmalpflegeinformationen 150, 2011

Martin Brandl, »Es kann das Reich nicht untergehn / wenn alle treu zusammenstehn«. Bildpropaganda auf Schloss Mainberg, Die Denkmalpflege Heft 1 / 2014

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Bemerkung des Denkmalnetzes

Das Denkmalnetz Bayern begrüßt, dass das Ministerium nunmehr in großzügiger Weise die hohe Förderung aus dem Entschädigungsfonds bereitgestellt hat. Noch ist Mainberg nicht verloren, aber auch längst noch nicht gerettet. Vor 30 Jahren hätte man die Rettung günstiger bekommen. Das Denkmalnetz wird den weiteren Fortgang der Angelegenheit aufmerksam verfolgen.

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Dieter Martin

Datum: 23.10.2017

Gegebenenfalls

Gefährdung

Schloss Mainberg ist aus verschiedenen Gründen eines der wichtigsten Denkmäler Unterfrankens. Ob seiner herausgehobenen Lage dominiert es die naheliegende Kulturlandschaft, wie die Luftaufnahme bestätigt. Seine geschichtliche und gesellschaftliche Bedeutung zeigen die zahlreichen Berichte in Medien bis hin zur Bildzeitung. Die Jahre 2016 und 2017 bedeuten hoffentlich eine Wendung in seinem Degradationsprozess. Das Schloss ist im Übrigen ein Beispiel für das Schicksal eines Denkmals, wenn sich die Eigentümer ihren Erhaltungspflichten entziehen, das Denkmal über aufeinander folgende Verkäufe in immer weniger leistungsfähige Hände gelangt und die Behörden seit über 40 Jahre den Verfall nicht in den Griff bekommen. Die nunmehr aus dem Entschädigungsfonds bereitgestellten 700.000 Euro werden hoffentlich helfen, die schlimmsten Schäden zu beseitigen und dem Schloss seine Zukunft zu sichern, auch wenn damit erst ein Anfang gemacht ist. Mit den 700.000 Euro können noch 2017 Arbeiten zur Abstützung der Vorburg und Sicherheitsmaßnahmen im Bereich des Daches und der Südwestecke des Hauptschlosses in Angriff genommen werden.

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