Frankenwaldhaus-Ensemble in Eila, Ansicht von Südwesten, 21.01.2020

"Frankenwaldhaus" Gefährdet

Frankenwaldhausidyll von Eila in Gefahr!

Eila 2
96332 Pressig

Eingetragen von:
Dr. Robert Wachter

Eingetragen am:
29.01.2020
Geändert am:
02.02.2020
Bayerische Denkmalliste:
eingetragen
Typ:
Einzeldenkmal im Ensemble

Viel fotografiert, aber bald verloren? - Die malerische Aneinanderreihung von typischen „Frankenwaldhäusern“ entlang des Dorfteiches von Eila / Markt Pressig schmückte schon stolz Kalenderblätter, touristische Werbeprospekte und Landkreisbroschüren. Aber es droht ihr Verlust! Eines der Häuser dieses Denkmalensembles, das außerdem als Einzeldenkmal in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen ist, verfällt zusehends.

Es handelt sich um das wertvolle und an seiner verschieferten Giebelfassade mit historischen Stanniolverzierungen geschmückte Wohnstallhaus, welches das Ensemble nach Osten abschließt.

Leider nur noch schwach erkennbar und abgewittert, aber noch völlig authentisch bewahrt, zeigen diese Stanniolverzierungen die Schmuckfreudigkeit und den Stolz des früheren Besitzers. Jener hat sich mit seinem Namen und der Jahreszahl 1888 (?) auf einer Schiefertafel, die wohl ursprünglich von (heute allerdings nur noch schemenhaft erahnbaren) Löwen flankiert wurde, zwischen den Fenstern des Giebelgeschosses verewigt. Darüber erscheint auf einer glockenförmigen Schiefertafel die Muttergottes – ebenfalls in Stannioltechnik – als das Bekenntnis der früheren Bewohner zu ihrem christlichen Glauben. Ranken- oder rein ornamentale Musterfriese in Stannioltechnik weisen weiterhin die Randplatten der einzelnen Schieferfelder auf. Zusätzlich werden die freien Wandabschnitte zwischen den Fenstern mit üppigen Maibuschen geziert. Auch unter den Fensterbänken des Erdgeschosses kann man noch Rankengirlanden erkennen. In Stannioltechnik aufgebrachte Pilaster mit Kanneluren und Kapitellen flankieren das Erdgeschoß als klassische Architekturelemente. Als beachtenswert gelten auch die teilweise noch vorhandenen Originalfenster.

Solche typischen „Frankenwaldhäuser“, wie dieses in Eila, sind leider rar geworden! Dabei demonstrieren sie so unverwechselbar, wie sich unsere Vorfahren beim Bau ihrer Häuser an die lokalen Witterungsbedingungen anpassten und die örtlich vorkommenden Baustoffe zu nutzen wussten: Auf dem Sockel aus heimischem Sandstein erhebt sich das Gebäude in Holzblockbauweise. Holz stand als Baumaterial im Frankenwald ausreichend zur Verfügung. Das Dach bedecken einheimische Schieferplatten, ein Natursteinmaterial, mit dem ebenso die Fassaden kunstvoll verkleidet wurden, um der Witterung besser standzuhalten.

 Erschaffen hat man so automatisch besonders regionaltypische und für die Gegend unverwechselbare Gebäude und Ortsbilder, die in dieser Form nirgendwo anders und nur hier ganz allein bei uns zu finden sind!

Denkmalensemble:Aktennummer E-4-76-164-1 

Einzeldenkmal:Aktennummer D-4-76-164-9 

Frankenwaldhaus in Eila, Detail der Giebelfront mit Stanniolverzierungen, Pilaster - 21.01.2020
Frankenwaldhaus in Eila, Detail der Giebelfront mit Stanniolverzierungen, Muttergottes - 21.01.2020
Frankenwaldhaus in Eila, Detail der Giebelfront mit Stanniolverzierungen - 21.01.2020
Frankenwaldhaus in Eila - Giebelfront zum Dorfteich, 21.01.2020
Frankenwaldhaus in Eila, Ansicht von Südwesten, 21.01.2020
Gefährdung

Leider steht das Haus schon Jahre leer. Inzwischen ist das Dach undicht und es regnet in das Gebäude hinein. Dieser Umstand bedeutet für dieses schöne „Frankenwaldhaus“ die fahrlässige Zufügung schwerer Schäden bis hin zum unwiederbringlichen Totalverlust! Hier wären dringend wieder die hauptamtlichen Denkmalbehörden gefragt, die mit dem Eigentümer Lösungen für eine Rettung dieses Kleinods auszuarbeiten haben.

Zusehen bzw. wegsehen und abwarten bis das Baudenkmal endgültig ruiniert ist, darf einfach nicht mehr die aktuelle Devise der hauptamtlichen Denkmalbehörden bleiben!

Weitere Kontakte

Dr. Robert Wachter,

Kreisheimatpfleger Landkreis Kronach

robert.wachter@heimatpfleger.bayern

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