Zweigeschossiger Hauptbau, li. Pavillonbau, re. offener Verbindungsgang

Situlischule Aufgepasst

Erweiterungsbauten von Franz Ruf und Johannes Ludwig als bedeutende Bauten der Architekturgeschichte

Situlistraße 87
80939 München

Eingetragen von:
Elke Wendrich

Eingetragen am:
09.02.2021
Geändert am:
11.02.2021
Bayerische Denkmalliste:
eingetragen
Typ:
Einzeldenkmal

Die Erweiterungsbauten der Situlischule von 1952-1954 der Architekten Franz Ruf und Johannes Ludwig wurden im Juni 2019 in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Diese bedeutenden Bauten der Architekturgeschichte werden aktuell gewürdigt durch die Veröffentlichung der Sep Ruf Gesellschaft am 1.2.2021.

Bedeutung und Würdigung der Situlischule von Dr. Ing. Irene Meissner, Sep Ruf Gesellschaft unter Mitwirkung von Martin Rössler, M.A., Regierungsbaumeister:

"Die von Johannes Ludwig und Franz Ruf errichtete Situlischule bezeichnete der damalige Stadtrat Helmut Fischer als „Schmuckkästchen“.
Die Schule gehört in die Reihe der modernen Bildungsbauten, die in den 1920er-Jahren mit den Pavillonschulen von Ernst May und Martin Elsaesser in Frankfurt, dem Bauhausgebäude 1926 in Dessau und den Schulbauten von Bruno und Max Taut in Berlin begann. Ein zentrales pädagogisches Anliegen war die Abkehr vom Frontalunterricht, der durch eine lose Bestuhlung der Klassenräume, Tageslicht von zwei Seiten und großzügigen Raumzuschnitten ermöglicht wurde. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes waren Bauten für die Erziehung von besonderer Bedeutung, denn die Jugend sollte im neuen Geist erzogen und diese Haltung auch über die Architektur zum Ausdruck gebracht werden. Bei den 1951 als Muster und Vorbild konzipierten Darmstädter Meisterbauten ging es vorrangig um Schulgebäude. In Bayern entstand gleichzeitig als herausragendes Beispiel die von Sep Ruf errichtete Akademie der bildenden Künste in Nürnberg. Johannes Ludwig und Franz Ruf griffen mit ihrer Konzeption der Situlischule auf den seit den 1920er-Jahren geläufigen Typus einer „leichten“ und „geöffneten“ Pavillonanlage zurück, die in Analogie zu einer demokratischen, offenen Gesellschaft gesetzt werden konnte.

1951 unternahmen Ludwig und Ruf gemeinsam eine Exkursion nach Schweden, bei der sie moderne Schulbauten besichtigten. Der „Blick über den Zaun“ in die skandinavischen Länder, in denen moderne Entwurfsprinzipien in den dreißiger/vierziger Jahren weiterentwickelt worden waren, lieferte wichtige Ansätze für Architekten der Nachkriegszeit. Die Eindrücke und Erfahrungen, die beide in Schweden sammelten, beeinflussten dann maßgeblich Konzeption und technische Details der Situlischule wie beispielsweise die großformatigen, außenbündigen Schwingfenster.

Als erste nach dem Typus der Pavillonschule in München in den Jahren 1952–1954 realisierte Schule kommt dem Gebäude somit besondere Bedeutung zu. Die Grünplanung der Situlischule übernahm kein geringer als der bekannte Gartenarchitekt Alfred Reich, der u.a. einen Lerngarten, nach dem Konzept der Pädagogin Lotte Hahn, schuf. Die Kunst am Bau stammt von den renommierten Künstlern Karl Knappe und Josef Karl Nerud.

Aufgrund des Zusammenwirkens mehrerer bedeutender Künstler und Architekten muss die Situlischule als herausragendes Exempel der Bildungsarchitektur des Wiederaufbaus unbedingt erhalten bleiben.
München hat ohnehin nicht viele bedeutende Bauten aus der frühen Nachkriegszeit zu bieten und hat bereits etliche Verluste zu beklagen, genannt seien nur das Landesversorgungsamt der Gebrüder Luckhardt, das „Schwarze Haus“ von Detlef Schreiber und Herbert Groethuysen und das Osram-Gebäude von Walter Henn. Der Umbau der „Alten Akademie“ und der Abbruch des Hauptbahnhofs werden die Verlustliste schmerzlich verlängern, die Situlischule darf nicht dazukommen."

Die vollständige Würdigung finden Sie unter:

https://seprufgesellschaft.org/wp-content/uploads/2021/02/20210201_Stellungnahme_Situlischule_IM_MR.pdf

Bayerische Denkmalliste: D-1-62-000-10032

Theater ehemals Turnhalle mit Außenanlage von Alfred Reich
Innenhof der eingeschossigen Pavillonbauten mit Grünanlage von Alfred Reich
Kunst am Bau, Karl Knappe (1884-1970), Wand- und Bodenmosaik, EG Hauptbau
Kunst am Bau, Josef Karl Nerud (1900-1982), 1. OG Hauptbau