Rainhaus in Lindau Gerettet

Ein wertvolles Lindauer Kulturdenkmal ist gerettet und wird inzwischen genutzt.

Rainhausgasse 20
88131 Lindau

Eingetragen von:
Interessengemeinschaft Kulturerbe Rainhaus

Eingetragen am:
15.07.2013
Geändert am:
08.10.2018
Bayerische Denkmalliste:
eingetragen
Typ:
Einzeldenkmal

Das Rainhaus wurde 1586 im Auftrag der Stadt Lindau als Quarantänestation von Hans Furttenbach, dem Onkel des bedeutenden Ulmer Baumeisters Joseph Furttenbach, erbaut.

Das Landesamt für Denkmalpflege beurteilt das Rainhaus als Baudenkmal von herausragender Bedeutung. Der Renaissancebau wurde als freistehender, weit außerhalb der der Inselstadt situierter Solitärbau errichtet.

An den Giebelseiten besitzt das Gebäude Treppengiebel und an den Traufseiten mittige Zwerchhäuser. Das repräsentative Erscheinungsbild ist auf weithin sichtbare Fernwirkung angelegt. Die bauzeitliche Grundrissdisposition hat sich wohl weitgehend unverändert erhalten (BLfD).

Das Gebäude ist nicht nur ein wichtiges Denkmal patrizischer Baukultur in Lindau; es ist auch Symbol und Denkmal des sozialen Engagements und der Fürsorge für Kranke, Leidende und Gesunde (Prophylaxe) seitens Spital und Stadt. Somit ist es als wichtiger Teil der Lindauer Stadt- und Sozialgeschichte zu würdigen.

Im Laufe seiner Geschichte war das Haus Quarantänestation, Krankenhaus, Pfleghaus, Militärlazarett, Schulhaus und Armenhaus.

Gefährdung

Das Rainhaus steht auf sehr instabilem Baugrund. Mehrere Baumaßnahmen in der Umgebung haben dem Gebäude zusätzlich geschadet. Die Fundamente sind unsicher, mehrere Risse im Gemäuer zeugen vom Verfall. 

Die an der Außenmauer angebrachten Stützbalken und die gelben Gurtbänder, die das gesamte Gebäude umspannen und ein Auseinanderbrechen verhindern sollen, zeigen den maroden Zustand eindrücklich auf. 

Seit einigen Jahren unbewohnbar geworden, kommen in jüngster Zeit noch vermehrt Einbrüche und Vandalismus hinzu. 

Es ist allerhöchste Zeit die Grundsanierung in Angriff zu nehmen, wenn dieses Denkmal nicht endgültig verloren sein soll. Nun wurden die Weichen für die Rettung gestellt.

Inzwischen ist die Sanierung erfolgt. Das Gebäude wird mit 17 Wohneinheiten für inklusives Wohnen genutzt. Eigentümerin ist die Lebenshilfe Kreisvereinigung Lindau.

Rettung

Rettung brachte das Projekt "Inklusives Wohnen im geretteten Baudenkmal". Aus der IG Rainhaus hat sich im Jahr 2013 der Verein Kulturerbe Rainhaus e.V. gegründet, um kraftvoll an der Rettung des Baudenkmals zu arbeiten. Nach dem Vorbild der Beckschen Häuser in Nördlingen wurde die Lebenshilfe, Kreisvereinigung Lindau, als künftige Nutzerin gewonnen. Die Stadt Lindau hat einer Eigentumsübertragung zugestimmt und zusätzlich 550.000 Euro für die Restaurierung zugesagt. Weitere Förderzusagen, z.B. vom Landesamt für Denkmalpflege, dem Bund, der Bayerischen Landesstiftung, dem Landkreis, dem Bezirk Schwaben ermöglichen die Finanzierung. Aus dem Kreis des Kulturerbe Rainhaus e.V. und von der Lebenshilfe kommen je eine halbe Million. Kürzlich kamen 200.000 Euro Leader-Mittel hinzu; damit kann ein Raum für inklusive Begegnungen im Dachgeschoß realisiert werden. Insgesamt können die ermittelten Gesamtkosten von ca. 4 Mio Euro gestemmt werden.

Im Dezember 2014 fand die notarielle Eigentumsübertragung an die Lebenshilfe statt. Im November 2015 wurde der Architekt beauftragt. Im nächsten Schritt werden die Fachplaner festgelegt und die Ausschreibungen werden erstellt. Die Rettung des Baudenkmals kommt in Gang. 

Im Juli 2018 wurde die Sanierung abgeschlossen. Die 17 Wohneinheiten sind bezogen.

An der Sanierung beteiligte Architekten

Architekten May, Hundweilerstraße 25, 88131 Lindau

Weitere Kontakte

Werner Berschneider, Reutenerstraße 58, 88142 Wasserburg