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"Goppel nicht tragbar" - Kritik am Vorsitzenden des Landesdenkmalrats hält an

06.05.2014: Die Kritik am Vorsitzenden des Landesdenkmalrats, dem Ex-Minister Thomas Goppel, reißt nicht ab. Nun haben Vertreterinnen von Bürgerinitiativen aus dem Tegernseer Tal und aus Beneditkbeuern in Leserbriefen Vorwürfe gegen Goppel erhoben. Die Autorinnen erinnert das Verhalten Goppels im Fall des Lichtspielhauses Fürstenfeldbruck an seine entgegenkommende Haltung gegenüber Investoren in anderen Streitfällen. Goppel selbst hat sich inzwischen verteidigt. Er habe keinen Fehler gemacht, sagte er dem Münchner Merkur. Die SPD beantragte einen Bericht der Staatsregierung im Landtagsausschuss.

Der Vorsitzende des Landesdenkmalrats war in die Kritik geraten, als eine vertrauliche Email an den Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister an die Öffentlichkeit geriet, in der er diesem bei dem angedachten Teilabriss des denkmalgeschützten Kinos den Rücken stärkte (wir berichteten). Es gelte, sich gegen die "Denkmalfreaks" im Landesdenkmalrat zu behaupten, schrieb der Vorsitzende über die Mitglieder seines eigenen Fachgremiums. Angesichts der öffentlichen Kritik erklärte Goppel nun im Münchner Merkur, das Wort Freak sei falsch interpretiert worden. Er sehe es als Synonym für Menschen mit Begeisterung. Auch in der Sache halte er seine Position für richtig. Sowohl Denkmalpflege als auch Eigentümer müssten zu ihrem Recht kommen, Denkmalschutz dürfe nicht überzogen werden.

Schon 2007/2008 habe Goppel in Sachen Gut Kaltenbrunn die Initiatoren zum Erhalt des einzigartigen Kultur- und Naturdenkmals nicht unterstützt, sondern den Investor für ein überdimensioniertes Luxushotel am noch unberührten Nordufer des Tegernsees, berichtet nun Angela Brogsitter-Finck von der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal. Und Julia Wolff, Sprecherin der Bürgerinitiative zum Erhalt des historischen Klosterensembles Benediktbeuern ruft eine Aussage Goppels zur Frage in Erinnerung, ob der denkmalgeschützte Südgarten des Klosters Benediktbeuern mit einem Hotel bebaut werden dürfe. Goppel habe sich mit den Worten geäußert, „man müsse schließlich die Belange des Investors berücksichtigen“. Zu einem Alternativstandort an der für das Kloster weniger schädlichen Westseite habe er deutlich gesagt, dass dieser „nicht attraktiv genug“ für den Investor wäre.

Die Äußerung, man müsse sich gegen die Denkmalfreaks behaupten, sei für die echten Denkmalschützer "ein wahrer Schlag ins Gesicht", so Wolff. Dies bedeute, dass Entscheidungen des Landesdenkmalrates unter der Führung von Herrn Goppel künftig grundsätzlich kritisch zu hinterfragen seien. "Die Äußerungen des Herrn Vorsitzenden wirken, als würde er versuchen, unter dem Deckmantel des Landesdenkmalrates die Gesetze zum Denkmalschutz mehr und mehr aufzuweichen". "Seine Aussage zeigt mehr als deutlich, dass er als Vorsitzender dieses hervorragenden Gremiums nicht tragbar ist und nie war", sagt Brogsitter-Finck.

Zu den Leserbriefen
Zum Bericht über Goppels Verteidigung auf merkur-online

Veröffentlicht am: 06.05.2014