Landtagsabgeordnete lassen Idee einer bayerischen Kulturerbe-Stiftung prüfen

Es bewegt sich etwas in Sachen „National Trust“ für Bayern. Elf Abgeordnete der CSU-Landtagsfraktion haben nun die Staatsregierung gebeten, die Idee zu prüfen. Grundlage soll das Konzept des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege sein. Es sieht die Gründung einer Stiftung für das Kulturerbe Bayerns vor, die künftig rettungslos verloren erscheinende Objekte in ihren Besitz übernehmen und unter Mithilfe engagierter Bürgerinnen und Bürger erhalten soll.

Vorbild ist der „National Trust“ in England, Wales und Nordirland. Diese große Bürgerbewegung für Denkmal-, Kultur- und Naturschutz besitzt 350 historische Gebäude, Parks, Industriedenkmäler, Schlossanlagen und Kirchen. Die Organisation ist einer der größten Grundbesitzer des Landes. Über 60.000 Freiwillige helfen beim Erhalt der Objekte. Erträge fließen dem Trust unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen, aber auch aus der Vermietung der Immobilien zu.
 
Die elf Abgeordneten benennen als Ziel, mit einer vergleichbaren Organisation in Bayern sowohl den Denkmalschutz als auch das bürgerschaftliche Engagement in der Denkmalpflege zu stärken. Dafür gelte es, auch „neue Wege zur Bewahrung denkmalgeschützter Objekte und baulicher Anlagen zu beschreiten“.
 
Die Abgeordneten weisen darauf hin, dass angesichts der „überschaubaren finanziellen Mittel“ des Staates immer wieder die Frage nach dessen Leistungsfähigkeit im Bereich der Denkmalpflege gestellt werde. Zu prüfen ist nach Ansicht der Abgeordneten daher auch, ob Denkmalschutz nicht „durch die tatkräftige Mitarbeit von ehrenamtlichen Mitgliedern und Freiwilligen“ noch besser erfüllt werden könne. Schließlich handle es sich bei der Denkmalpflege um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dieses Bewusstsein spiegle sich in ganz Bayern durch die Existenz vieler Bürgerinitiativen im Bereich der Denkmalpflege wider.
 
Das Denkmalnetz Bayern begrüßt, dass die Idee einer Stiftung für das Bayerische Kulturerbe konkret wird und ist gespannt auf die Einschätzungen des zuständigen Ministeriums. Das 2012 gegründete Bündnis der bürgerschaftlichen Vereine und Initiativen für die Denkmalpflege und den Erhalt von Ortsbildern in Bayern freut sich, dass das Engagement der Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich gewürdigt wird und weiter gefördert werden soll. In einer bayerischen Kulturerbe-Stiftung erkennt das Denkmalnetz eine große Chance, die nicht versäumt werden sollte. Die Stiftung kann dazu beitragen, Objekte aus Privatbesitz zu übernehmen, die andernfalls dem Untergang geweiht wären.
 
Keinesfalls darf unter der Gründung einer solchen Stiftung allerdings das Erfolgsmodell der finanziellen Unterstützung und Förderung von sanierungswilligen Privateigentümer leiden. Das Engagement des einzelnen Denkmalbesitzers wird nach wie vor der Schlüssel zum Erhalt der bayerischen Denkmallandschaft in der Fläche sein. Die Herausforderung ist groß. Amtlichen Schätzungen zufolge stehen rund 3000 Baudenkmäler leer und verfallen vor sich hin.
 
Das Denkmalnetz teilt die Auffassung, dass Denkmalpflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Nach der Bayerischen Verfassung sind daher in erster Linie der Staat und die Gemeinden als Wahrer des Gemeinwohls damit beauftragt, den Erhalt und die Pflege der Denkmäler sicherzustellen. Staat und Gemeinden können dies als Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger mit ihren Instrumenten am wirkungsvollsten sicherstellen. Die fachliche Arbeit des Landesamts für Denkmalpflege als staatlicher Fachbehörde sowie der Unteren Denkmalschutzbehörden als unabhängiger Genehmigungsbehörden ist unverzichtbar und alternativlos.
 
Gleichzeitig bedarf es einer neuen gesellschaftlichen Dynamik zur Rettung gefährdeter Denkmäler und Kulturgüter. Das Denkmalnetz Bayern sieht sich als Teil dieser bürgerschaftlichen Bewegung und ist bereit, weiter daran mitzuwirken, in der bayerischen Bevölkerung das Engagement für das baukulturelle Erbe zu stärken. Das Denkmalnetz hofft daher auf einen starken und schwungvollen Startschuss für den „bayerischen National Trust“ als zusätzlichen Baustein auf dem Weg in ein kulturell attraktives Bayern der Zukunft.

Veröffentlicht am: 13.12.2014