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Dem historischen Penzberger Bahnhof droht der Abriss

Dieses Jahr feiert die Eisenbahnlinie von Starnberg nach Penzberg ihr 150jähriges Bestehen. Viele der Bahnhöfe entlang der Strecke stehen unter Denkmalschutz oder sind renoviert. Der von Penzberg steht seit Sommer unter dem Damoklesschwert des Abrisses.

Das bis heute nahezu unveränderte Bahnhofsgebäude wurde 1923/1924 durch die damalige Penzberger Baufirma Franz Schmaus im Heimatstil erbaut und ersetzte einen hölzernen Notbau von 1897. Die Architektur mit Walmdach und Arkaden hat in elf umliegenden Gebäuden sowie weiteren im Stadtkern stilistische Entsprechungen und gibt einen guten Eindruck vom Baustil der ehemals bedeutenden Bergwerkssiedlung.

Vor mehreren Jahren bereits gelangte das Behnhofsgebäude in Privatbesitz und verlor zusehends seinen historischen Charme. Inzwischen gehört er der Stadt und wurde wieder hergerichtet. Nun aber ist ein Investor gefunden, der im Umfeld der ehemals bedeutenden Bergwerksstation städtebaulich Großes plant.

Doch es regt sich Widerstand. Alexander Peren, 1. Vorsitzender vom Verein für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte, macht die Ausmaße der Neubauten deutlich und erklärt die Bedeutung des einheitlich gebauten Bahnhofquartiers für die Entwicklung Penzbergs. In einem offenen Brief fordert er die Bürgermeisterin und den Stadtrat auf, den „scheußlichen Monsterbau“ mit bis zu fünf Stockwerken in globaler Glas-Stahl-Architektur am Bahnhof zu verhindern. Dazu gäbe es ministeriale Fördergelder, aber nur, wenn bis Mitte 2016 Baurecht geschaffen werde. Das empfinden Peren und sein Kollege Max Kapfer als Täuschungsmanöver und „durch den Aufbau von Termindruck als Nötigung“. Das Bahnhofsgebäude soll einem Flachbau weichen. Und damit nicht genug: Auf dem der Stadt abgewandten Bahnhofsareal soll nach den Plänen des Investors ein Einkaufszentrum gebaut werden, was dem örtlichen Einzelhandel Konkurrenz machen würde.

Bauträger für das Abbruch- und Neubauprojekt ist Johann Thierer aus Günzburg, der auch in der „Neuen Mitte“ des Ortes im Wohnungsbau tätig ist. In der Imagebroschüre seiner Firma verspricht er, „dem Kern der oberbayerischen Kleinstadt ein völlig neues Gesicht“ zu geben. Sein Architekt Markus Tauber aus Brixen hat auch eine passende Philosophie für die Bauten jenseits der Bahnlinie im Süden der Stadt: „Bauen ist Dialog zwischen Mensch und Natur“. Und letztere beginnt genau da mit den ersten Grünflächen und Blick in die Berge.

Penzberg ist weltweit als Standort des Biotech-Unternehmens Roche bekannt, das aktuell am Standort 420 Mio. Euro in Erweiterungsbauten investiert und 1200 neue Mitarbeiter einstellt. Die wollen natürlich gerne ortsnah wohnen. Und die Unternehmensleitung hat sich schon immer ein repräsentatives Ankunftsportal gewünscht, denn viele Besucher reisen per Bahn an. Ob da allerdings eine Allerweltsarchitektur bei den Besuchern Eindruck macht oder vielleicht doch ein liebevoll restaurierter, behutsam erweiterter sowie lokal und historisch unverwechselbarer Bahnhof eher Erinnerungswerte schafft, sollte sehr wohl überlegt sein.

Text: Anja Behringer

Veröffentlicht am: 01.12.2015