St. Lorenz, Nürnberg, Westfassade

Nürnberg, Lorenzkirche: Denkpause und bürgerschaftliches Engagement der jungen Generation

Eingetragen von: Sprecher des Denkmalnetzes
Veröffentlicht am: 17.03.2021

Im Nachgang zum DNB-Kommentar vom 28.10.2020 [Nürnberg, St. Lorenz: Instandsetzung und Neugestaltung im öffentlichen Interesse? | Aktuelles | Denkmalnetz Bayern], ist von einer Denkpause der Verantwortlichen zu berichten. In einer  Presseinformation der evangelischen Kirchengemeinde vom 10.3.2021 heißt es:  

„Zwischen der Kirchengemeinde und der Landeskirche besteht völlige Übereinstimmung darin, dass der diskutierte Vorschlag […] aus architektonisch-konzeptionellen, denkmalschützerischen und funktionalen Gründen so nicht realisierbar ist.“

Die Maßnahmenträger reagieren damit offensichtlich unmittelbar auf eine Resolution vom 9.2.2021, die von über 70 Kunsthistoriker*innen, Heimat- und Denkmalpfleger*innen und anderen engagierten Bürger*innen unterzeichnet wurde.

Dass ein Fass randgefüllt ist, hat meist mehrere Gründe. Ein Grund u. a. ein Artikel, verfasst von Stefan Trinks, in der FAZ vom 21.02.2021. Welcher berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt, ist letztlich egal. Wichtig bleibt zunächst, dass man, wie in diesem Fall, in der Lage ist innezuhalten, nachzudenken und die Situation zu reflektieren. Dies ist offensichtlich möglich. Kompliment!

Auch anhand der Nürnberger Lorenzkirche könnte jedoch der Schluss gezogen werden, dass sich „architektonische Höhenflüge“ mit bürgerschaftlichem Engagement nicht verträglich zeigen, wie der SZ-Artikel „Von Riesen und Zwergen“ vom 14.11.2020 einschätzt. Da wären sie also wieder: die Boykotteure jeglicher Neuerungen, gar Antimodernisten, gern auch Querulanten genannt. Im Generalverdacht stehen dabei vor allem Ruheständler, die sich Bürgerinitiativen aus purer Langeweile anschließen würden. Doch zeigt sich gerade in Nürnberg bemerkenswerterweise einmal mehr: Entgegen landläufiger Meinung, wird bürgerschaftlicher und dazu noch (bis auf weiteres) wirksamer Ein- und Widerspruch eben auch generationenübergreifend erhoben. Zwar haben die o. g. Resolution auch „die gewöhnlichen Verdächtigen“, sprich „Altaktivist*innen“ unterstützt. Jedoch, die eigentliche Initiative, ging mitsamt des o. g. FAZ-Autors von Kunsthistoriker*Innen und Denkmalpfleger*innen der Generation (zum Teil weit) unter 50 aus.

Die Sorge um das historische Erbe unterliegt konjunkturellen Schwankungen, die sich, so die Hoffnung, zurzeit der „gesellschaftlichen Mitte“ wieder nähert.

 

Weitere lesenswerte Presseartikel zum Thema:

https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/nach-heftigen-protesten-umbauplan-fur-lorenzkirche-verworfen-1.10905383

Nebenartikel:

https://www.nordbayern.de/76-experten-protestieren-gegen-geplanten-einbau-in-die-lorenzkirche-1.10907978

Kommentar:

https://www.nordbayern.de/umbauplane-der-lorenzkirche-verworfen-einsatz-hat-gelohnt-1.10908250

Daneben wurden auf kirchlichen Seiten folgende Erklärungen verbreitet:

https://www.evangelisch.de/inhalte/183567/10-03-2021/resolution-richtet-sich-gegen-umbauplaene-nuernberger-lorenzkirche

https://www.evangelisch.de/inhalte/183608/11-03-2021/stadtdekan-koernlein-versichert-nuernberger-lorenzkirche-wird-nicht-verschandelt

Auch die Bayerische Staatszeitung aus München lässt Stadtdekan Körnlein zu Wort kommen und ist mit dem Herunterrechnen unserer Teilnehmerzahl offenbar so überfordert, dass sie auf unsere Argumente leider verzichten musste:

https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/kommunales/detailansicht-kommunales/artikel/eine-verschandelung-wird-es-nicht-geben.html#topPosition

Den angesprochenen „Faktenfuchs“ der Kirchengemeinde finden Sie hier: https://lorenzkirche.de/faktenfuchs/