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Mietshaus

Schwabinger Mietshaus im Ensemble droht Abriss

Eingetragen von:
Annegret Bähnisch

Eingetragen am:Geändert am:
11.10.201911.11.2019
Bayerische Denkmalliste:Typ:
Ensemblebestandteil

Beschreibung:

Mitten im Ensemble „Nordschwabing“ (Aktennr. E-1-62-000-42) befindet sich das Miethaus Wilhelmstraße 27, erbaut im Jahre 1895. Bauherr war Georg Völkl, kein Unbekannter der damaligen Zeit, der v.a. an der Villenkolonie Pasing unter August Exter mitgewirkt hat. Aus den Ansichtsplänen geht hervor, dass ihm zwar einige der vorgesehenen Fassadenverzierungen von der LBK gestrichen wurden, darüber hinaus ist das Gebäude jedoch noch heute weitgehend im Originalzustand. Die verzierten Giebelfenster wurden nach Kriegsschäden vereinfacht erneuert, die Fassade purifiziert.

Das Mietshaus ging in den Besitz des Architekten Ernst Nawrotzki, der seine im Jahre 1907 genehmigten prunkvollen Veränderungen des Gebäudes nie verwirklichte. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1988 lebte seine Tochter, die Lehrerin Berta Nawrotzki, selbst in dem Gebäude und sorgte für dessen Erhalt.

Neben den Originalkastenfenstern sind zum großen Teil die alten Parkettböden, einige alte Kachelöfen, Zimmer- und Wohnungstüren, z.T. auch Doppelflügeltüren, das alte Treppengeländer und der Terrazzoboden im Hauseingang erhalten.

Seit jeher gab es zwei kleine Läden in dem Mietshaus, einen „Tante-Emma-Laden“ und einen Milchladen, später lange Zeit Friseur. Trotz Bedenken seitens der benachbarten Schule wurde aus dem „Tante-Emma-Laden“ 1967 eine „Branntweinschänke“, die in den wilden 60ern eher unrühmlich bekannt wurde. Aber unter dem neuen Namen „Promillchen“ entwickelte sich das Bierstüberl zum erweiterten Wohnzimmer. In einem der letzten Refugien der alten Schwabinger, die ihr ganzes Leben hier verbracht haben, trafen die jüngeren noch auf Spuren des lässigen alten Schwabing.

Flankiert von der denkmalgeschützten Schule aus den 1880ern und dem höheren und jüngeren denkmalgeschützten Eckhaus Wilhelm-/Kaiserstraße trägt es bei zur Veranschaulichung der regen Bautätigkeit um die vorletzte Jahrhundertwende.

Trotz geringer Instandhaltungsmaßnahmen in den letzten Jahren ist das Mietshaus weitgehend in einem guten Zustand.

Gefährdung:

Nach dem Tod des letzten Eigentümers im Jahre 2017 ging das Haus meistbietend an einen Investor. 2019 fand sich ein weiterer Investor ein, die Eigentumsverhältnisse sind unklar. Mündlich ließ der Investor Abriss und Neubau verkünden. Wohnungen sollen nach Wegzug der Altmieter nicht mehr neu vermietet werden, heißt es. Der Pachtvertrag der Traditionsgaststätte wurde nicht verlängert, zum großen Bedauern der vielen Stammgäste musste das Bierstüberl schließen. Zwischen denkmalgeschütztem Eckhaus mit 3 OG und denkmalgeschütztem Schulhaus mit 2 OG will der Investor vier Geschosse zwängen. Für die Finanzierung der Neubaugenehmigung werden Kleinanleger angelockt, obwohl das Mietshaus noch bewohnt ist.

Weitere Kontaktinformationen:

Annegret Bähnisch

Adresse

Wilhelmstraße 27
80801 München

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