Denkmalnetz Bayern verurteilt den bevorstehenden Abriss des Gasthauses „Zum Löwen“ in Lauben
Pressemitteilung vom 8.4.2026
Das Denkmalnetz Bayern erfuhr Ende letzten Jahres dank seines Bündnismitgliedes "architekturforum allgäu e.V." vom drohenden Verlust des Gasthauses, nachdem jahrelang um den Erhalt des ortsbildprägenden Gasthofs im Ortskern nahe der Pfarrkirche gerungen wurde. Am 2. Januar 2026 regen sie gemeinsam die Prüfung der Denkmaleigenschaft an. Diese erfolgte bisher nicht, obwohl das Gebäude 1394 erstmalig urkundlich erwähnt wurde. Am 20.1.26 beschließt der Gemeinderat den Abriss des „Löwen“.
Aufgrund der dann eingeleiteten Prüfung der Denkmaleigenschaft fassen Bürgerinnen und Bürger vor Ort wieder Mut und gründen eine Interessengemeinschaft „Alter Löwen Lauben“. Sie suchen das Gespräch mit der Politik und erklären sich bereit, gemeinsam mit Fachleuten ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Gebäude zu entwickeln, sollte der Abrissbeschluss des Gemeinderates ausgesetzt werden. Dass eine Rettung gelingen kann, zeigt sich vielerorts, im Allgäu beispielsweise an der alten Schule in Bühl oder am Leutkircher Bürgerbahnhof. Bürger und Bürgerinnen haben sich dieser Gebäude angenommen und füllen sie wieder mit Leben für die Gemeinschaft.
Dennoch hält der Bürgermeister von Lauben am Abrissbeschluss fest. Einen bereits vereinbarten Termin mit der Interessengemeinschaft sagte er Gründonnerstag Nachmittag ab. Geplante Gespräche mit dem frisch gewählten Gemeinderat werden wohl nicht mehr stattfinden können. Es stehen bereits die Halteverbotsschilder, mit dem Abriss soll diese Woche begonnen werden.
Mit Schreiben vom 24.3.26 erfährt die Gemeinde das Ergebnis zur Prüfung der Denkmaleigenschaft: „[...] Aufgrund der weitreichenden Überformungen [...] besonders prägend der frühen Nachkriegszeit, ist ein Gasthaus einer bestimmten historischen Zeitstellung nicht mehr anschaulich überliefert. Eine Bedeutung im Sinne von Art. 1 Abs. 1 BayDSchG (geschichtliche, künstlerische, städtebauliche, wissenschaftliche oder volkskundliche Bedeutung) ist nicht erkennbar. Denkmaleigenschaft besteht daher nicht.“ Das Denkmalnetz wurde am 30.3. informiert.
Damit wird eine echte Chance für einen wiederbelebten historischen Ortskern in Lauben vertan, rund 100.000 € werden trotz leerer Kassen für den Abriss vergeudet und die Bürger vor Ort ein weiteres Mal bitter enttäuscht. Schon am 26.2.26 schreiben zwei Bürgerinnen in einem Leserbrief an die Allgäuer Zeitung: „[...] Von Bürgerbeteiligung war oft die Rede, echte Mitsprache gab es aber aus unserer Sicht keine. Der Verfall wurde ausgesessen, bis man den Abriss als alternativlos darstellen konnte. Eine selbstgemachte Notlage, bezahlt mit Steuergeld und Vertrauen. Das passt ins Bild einer Kommunalpolitik, die lieber ideenlos verwaltet als mutig gestaltet – und lieber Ausreden liefert als Perspektiven. Der „Löwen“ war mehr als ein sanierungsbedürftiges Gebäude. Er war Treffpunkt, Wahrzeichen und Teil unserer Ortsidentität. Zurück bleiben Schutt, eine Leerstelle im Ort - und ein weiteres Stück verloren gegangenes Vertrauen.“
Zur Geschichte des "Löwen" - 1394 erstmalig urkundlich erwähnt
Die lange Geschichte des Löwen wird in der denkmalfachlichen Bewertung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege anschaulich erläutert. Der "Löwen" war ehemals fürststiftlicher Meierhof. „Für das Jahr 1394 ist das Anwesen im stiftskemptischen Salbuch erstmals archivalisch bezeugt: Auf dem Haus war die Gerechtsame, die obrigkeitliche Erlaubnis für das Brauen von Bier, das Schlachten von Vieh, Backen von Brotwaren aller Art sowie der Verkauf und die Abgabe von Getränken, Fleisch und Brotwaren. Die Nutzung als Gasthaus soll seit 1451 tradiert sein. Für das Jahr 1710 ist der Wirt Josef Schäffler überliefert; dessen Familie betrieb über nahezu zwei Jahrhunderte das Gasthaus mit zugehöriger Landwirtschaft.
Auf der Katasteruraufnahme von 1822 ist das Gebäude mit der einstigen Hausnummer 1 in fast doppelter Gebäudelänge verzeichnet. Im Jahr 1871 wurde das Gasthaus durch ein Brandereignis nahezu vollständig zerstört und anschließend neu errichtet. 1885 ließ Georg Schäffler, Gastgeber und Ökonom, eine neue Räucherkammer im Dachgeschoss einbauen. Für die Jahre 1897–99 sind Umbauten am Gebäude archivalisch dokumentiert. Ferner heißt es in einem Protokoll vom 18.05.1936 zu Art und Beschaffenheit der Wirtsräume: ‚Alles in gutem Zustand, da neu renoviert.‘“
Weitere Informationen
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Kommentar von Gabriela Demin-Huber |
Es ist mir unerklärlich, wie man altes Kulturgut so leichtfertig vernichten will!
Warum wurden die Bürger nicht einbezogen?
Es gibt so viele Bespiele dafür, dass es gelingen kann, ein so altes, wunderbares
Gebäude wieder herstellen kann.
Mir blutet das Herz!
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