Kommentar zu „Abenteuer Jurahaus. Müll der Geschichte oder Baujuwel mit Zukunft?“ von Eva Demmelhuber BR2 am 05.11.2022

Eingestellt von: Denkmalnetz Bayern
Eingestellt am 03.12.2022
Geändert am 04.12.2022

Kommentar zu „Abenteuer Jurahaus. Müll der Geschichte oder Baujuwel mit Zukunft?“ von Eva Demmelhuber BR2 am 05.11.2022

Man träumt sich unweigerlich hinein in diese Jurahäuser, die Eva Demmelhuber anfangs so einfühlsam beschreibt. In ein solches „Urhaus“, die „Arche“, wie Dieter Wieland, Doyen unter den bayerischen Landschafts- und Kulturjournalisten, zitiert wird. Lyrische Beschreibungen auch zu den kurzen filmischen Bildern, man könnte ins Schwärmen geraten, - wäre da nicht die harte Rückkehr in die Realität: Wie steht es um die wenigen gebliebenen Jurahäuser?

Kreisbaumeister Christian Süppel in der Jurahauptstadt Eichstätt berichtet nüchtern, er würde sich gerne mehr einsetzen für die Jurahäuser, aber es fehlt an Geld und Personal. Das ist nichts Neues. Schlimmer ist, was er über den Wandel im Umgang mit diesen Denkmälern erzählt. Vernachlässigung, Einsturz, Abriss, - was in den 1980er und 90er Jahren noch entschlossen verfolgt wurde, als bei Verdacht auf Vorsatz auch schon mal der Staatsanwalt ins Spiel kam, ist mittlerweile grade mal eine Ordnungswidrigkeit, also eine Nachlässigkeit wie Falschparken, die man getrost als Risiko einpreisen kann: Wird man erwischt, dann zahlt man eben, aber es lohnt sich trotzdem! So viel staatliche Lässigkeit wünscht sich sicherlich auch mancher Raser auf unseren Straßen.

Eva Martiny, Vorsitzende des Jurahaus-Vereins, bringt es auf den Punkt: Das in Bayern am wenigsten beachtete Gesetz ist das Denkmalschutzgesetz, obwohl es doch alle Optionen bereithält, von der Anordnung über die Ersatzvornahme bis zur Enteignung. Ihrem Vergleich haben wir nichts hinzuzufügen: Würde man Altöl in die Landschaft kippen, müsste man mit hohen Strafen rechnen, bei einem Baudenkmal schaut man nur zu. Ja, es gibt die Instrumente, aber sie sind längst verlegt, vergessen, verstimmt. Wie auf Länderebene, so auf kommunaler Ebene, wie im Großen, so im Kleinen. Wir lernen: statt Behördenkrämerei spielt der unwillige Denkmaleigentümer besser auf der politischen Klaviatur.

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass der bayerische Generalkonservator eher harmoniebedürftig ist. „Der Konflikt, d.h. die gesetzliche Keule [sic!], die führt in der Regel nur dazu, dass es ewig lang dauert“, erklärt er. Dank Verschlankung der Behörden zwingt der abgeschaffte Widerspruch die widerspenstigen Investoren vor den nunmehr aufgeblähten Kadi. Was tun? - „Unser Ziel ist es, das Ganze nicht vor Gericht zu bringen.“ Darin sieht der Generalkonservator die Lösung. Stattdessen freut er sich, dass der bayerische Landtag dem Landesamt für Denkmalpflege zwei Stellen zur Verfügung stellt für eine „task force“ aus zwei jungen Mitarbeitern, die jetzt die anscheinend aussichtlosen Fälle sammeln soll, „grob geschätzt um die dreitausend Fälle“, sagt der Generalkonservator. Zwei junge „Kolleginnen und Kollegen“ packen die Probleme an, die den altvertrauten, etablierten Gebietsreferenten entwischt sind? Der Generalkonservator stellt indes klar: „Und dann schauen wir gemeinsam mit der Politik, was kann man machen.“

Wenn wir das nächste Mal im Auto geblitzt, die Steuererklärung zu spät abgegeben und bei sonstigen Kavaliersdelikten ertappt werden, würden wir das dann auch lieber mit der Politik verhandeln!

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