Leserbrief zu "Denk mal ans Denkmal" (Isar-Loisach-Bote vom 11.12.2020, Volker Ufertinger)

Eingestellt von: Denkmalnetz Bayern
Eingestellt am 15.12.2020
Geändert am 17.12.2020

Leserbrief zu "Denk mal ans Denkmal" (Isar-Loisach-Bote vom 11.12.2020, Volker Ufertinger)

15.12.2020: Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mit Kreisbaumeister Andreas Hainz hat das Projekt „Denk´mal – Kulturelle Identität erhalten, schützen, leben“ mit weiteren Förderern und Referenten entwickelt. Ein wunderbarer Ansatz, um Denkmalpflege in den Köpfen und Herzen der hier Lebenden zu verankern und die Pflege unserer Kulturschätze weiter Realität werden zu lassen. Bürgermeister sind aufgerufen, gefährdete Denkmale zu benennen.

Leider ist davon auszugehen, dass der Bürgermeister von Kochel das unter Denkmalschutz stehende Verstärkeramt (1927) nicht für „Denk´mal“ benennen wird. Er lässt es gerade abreißen, obwohl nicht baufällig. Das Landratsamt hat zugestimmt, der Landesdenkmalrat nicht lauthals protestiert - beide sind Förderer von „Denk´mal“. Spätestens seit der Unterschutzstellung musste allen Beteiligten klar sein: das Haus hat überregionale Bedeutung, sein Abriss ist eben nicht nur Angelegenheit für Kochel, sondern für ganz Bayern und darüber hinaus.

Ein Handlungsaufruf für „Denk´mal“: mit der immer noch möglichen Rettung könnte sich das Projekt sofort profilieren. Dieter Wieland, angefragt als Experte bei „Denk´mal“, schrieb mir 2020 über das Verstärkeramt folgenden Text, es „ist ein klassisches, besonders eindrucksvolles Beispiel der „Süddeutschen Moderne“ (…) ein großartiges Zeugnis für modernes Bauen auf dem Lande. Diese klaren ortsbild- und landschaftsprägenden Bauten der Bayerischen Postbauschule (…) sind für mich Sternstunden bayerischer Staatsbaukunst und gehören zum Besten, was uns aus dieser schwierigen Umbruchszeit erhalten geblieben ist. Einem so intakten großartige Bauwerk die Denkmaleigenschaft wieder abzuerkennen und es zum Abriss freizugeben, ist für mich absolut unvorstellbar und unverzeihlich.“

Dem Verstärkeramt wurde die Denkmaleigenschaft nicht aberkannt, es darf auch so abgerissen werden, trotz Protest, Petition und Popularklage. Der nun entstehende Neubau wird von Architekten des Wessobrunner Kreises realisiert. Ebenfalls einbezogen in das Schutzprojekt „Denk´mal“ unterstützen sie hier einen Neubau - nicht das historische Bauwerk. Denkmaleigentum verpflichtet in besonderem Maß, auch die Städte, nicht nur private Eigentümer. Es geht darum, Geschichte als Zukunft zu bewahren, Ortsbilder zu retten, alle Beschwörungen von Baukultur, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und erfolgreicher Kommunalpolitik Realität werden zu lassen und seinen Kindern in die Augen schauen zu können: „Denk´mal“ ans Denkmal Verstärkeramt Kochel!

Dr. Kaija Voss, Architekturhistorikerin

Bild: Jean Molitor

Isar-Loisach-Bote vom 11.12.2020 https://www.merkur.de/lokales/wolfratshausen/wolfratshausen-ort29708/wolfratshausen-so-will-kreisbaumeister-hainz-denkmaeler-retten-90128811.html

 


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