Denkmalnetz stellt Wahlprüfsteine zur Denkmalpflege

Wahlprüfsteine für die Kommunalwahl am 8.3.2026 in Bayern

Eingestellt von: Denkmalnetz Bayern
Eingestellt am 27.02.2026

Wahlprüfsteine für die Kommunalwahl am 8.3.2026 in Bayern

Das Denkmalnetz Bayern will's wissen und hat die Parteien um Stellungnahme gebeten zu den Themen Denkmalpflege und Baukultur.

Antworten erhielten wir aus München, Garmisch-Partenkirchen, Unterhaching und Pfaffenhofen a.d. Ilm.

Zusammenfassung der Antworten aus München

Zu unserem großen Bedauern haben die regierenden Parteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen unsere Fragen nicht beantwortet. Hier unsere Auswertung der Antworten von CSU, Freie Wähler, ÖDP, FDP und Bündnis Kultur.

Wenig überraschend messen fast alle Parteien dem Denkmalschutz und ortsbildprägenden Gebäuden eine hohe Bedeutung zu, für die FDP ist dies von mittlerer Bedeutung.

Zur Frage „Was würden Sie einem auswärtigen Gast zeigen?“:
Die CSU nimmt sich sehr viel Zeit für ihre auswärtigen Gäste, und zeigt ihnen von allem etwas, egal ob Denkmal, touristische Highlights oder neue Quartiere wie etwa Freiham. ÖDP, Freie Wähler und Bündnis Kultur konzentrieren sich weitgehend auf die Innenstadt, wobei beim Bündnis Kultur das Volkstheater nicht fehlen darf. Dafür finden ÖDP, Freie Wähler und die München Liste den Weg nach Nymphenburg.

Wie aber sehen die Prioritäten aus, wenn Denkmalschutz gegen andere Belange abgewogen werden muss?

Ob Denkmäler und Ensembles, ortsbildprägende Bauten, das Stadtbild, historische Sichtachsen, die Innenstadt oder Parkanlagen, für die München Liste genießt alles höchste Priorität, für die anderen relativ hohe Priorität. Sichtachsen haben für die FDP und das Bündnis Kultur weniger Bedeutung, ortsbildprägende nicht denkmalgeschützte Gebäude werden von der FDP gering bewertet.

Besonderen Handlungsbedarf bei Einzelprojekten erwähnen ÖDP, München Liste und Bündnis Kultur. Für die FDP ist allgemein die Beschleunigung der Verfahren maßgebend.

Eine gute Nachricht: Die Einführung und Anwendung städtebaulicher Erhaltungssatzungen und die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements in der Stadtbildpflege und beim Denkmalschutz befürworten alle! Die ÖDP macht einige konkrete umsetzbare Vorschläge.

Für alle Parteien ist Denkmalschutz praktizierter Klimaschutz, durchweg besteht Einigkeit bei Erhalt des Bestands statt Abriss und Neubau. Wir sind gespannt, wie sich dies in der nächsten Legislaturperiode auswirken wird.

Weniger Einigkeit besteht bei der Umsetzung des Bau-Turbos in München. Während FDP, Freie Wähler und das Bündnis Kultur eine vorsichtig positive Haltung einnehmen, lehnen München Liste und ÖDP die Anpassungen der Stadt München ab.

Abschließend fragten wir zu konkreten Einzelfällen, die uns am Herzen liegen:

Den Bebauungsplan am Paketpostareal mit zwei 155m hohen Wolkenkratzern befürworten FDP und Bündnis Kultur eindeutig, ÖDP und München Liste lehnen ihn genauso eindeutig ab.

Die Trambahn durch den Englischen Garten lehnen CSU und Freie Wähler ab, die FDP will einen Tunnel unter dem Isarring bauen. Bündnis Kultur befürwortet die Tram, sofern keine Bäume gefällt werden, die ÖDP ebenso, jedoch unter Voraussetzung weiterer Bedingungen.

Den Umgang mit städtischen Großsiedlungen wie der „Neue Heimat“ in Moosach kritisieren alle Parteien und wünschen Modernisierung statt Abriss, die Bewohner sollen besser eingebunden werden.

Ähnliches wünschen sich die Parteien bei der Entwicklung des Großmarktareals, sowohl Einzeldenkmäler als auch das Ensemble sollen erhalten bleiben.

Beim Bebauungsplanverfahren für die Siedlung Ludwigsfeld vermissen Freie Wähler und München Liste die angemessene Bewertung der historischen Bedeutung des Ortes. Sie fordern einen sensibleren Umgang. Der CSU sieht die historische Bedeutung im Verfahren gewürdigt.

Vollständige Antworten aller Parteien (München)

Zusammenfassung der Antworten aus Garmisch-Partenkirchen

Von fünf Bürgermeisterkandidaten haben drei auf unsere Wahlprüfsteine geantwortet.
CSU und SPD haben den Wahlprüfstein nicht ausgefüllt, eine Rückmeldung von FDP und Bayernpartei ist ebenfalls ausgeblieben. Ausgewertet werden konnten damit die Antworten von Garmisch+Partenkirchen miteinander (Dr. Anton Hofer), Freie Wähler (Daniel Schimmer) und Bündnis 90 / Die Grünen (Dr. Stefan Thiel).

Alle drei Gruppierungen messen dem Denkmalschutz und ortsbildprägenden Gebäuden in der kommunalen Politik eine hohe Bedeutung bei. Ein grundsätzlicher Dissens in der Wertschätzung besteht nicht – jedoch verweisen alle auf konkreten Handlungsbedarf.

Garmisch+Partenkirchen miteinander (Hofer) formuliert die schärfste Kritik am Status quo. Er spricht von einem aus seiner Sicht äußerst nachlässigen Umgang mit dem Denkmalschutz und kritisiert insbesondere die Untere Denkmalschutzbehörde, der er Untätigkeit vorwirft. Als Beispiele nennt er die abgerissene Schuster-Woldan-Villa sowie das Gebäude in der Gernackerstraße 15, das „im letzten Augenblick“ gerettet worden sei. Seine zentrale Forderung ist ein proaktives, engmaschiges Begleiten potenzieller und bestehender Denkmäler, um verbleibende ortsbildprägende Bauwerke langfristig zu sichern.

Bündnis 90/Die Grünen (Thiel) begründet den Denkmalschutz breit und sieht diesen nicht nur als kulturelle Verpflichtung, die im Grundgesetz verankert ist, sondern auch Ausdruck von Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Identität und Lebensqualität. Ortsbildprägende Gebäude und gewachsene Strukturen stifteten Heimat, Orientierung und touristische Attraktivität. Handlungsbedarf sehen die Grünen insbesondere bei historischen Ensembles, bei denkmalgeschützten und nicht denkmalgeschützten ortsbildprägenden Gebäuden sowie beim Grün im und um den heilklimatischen Kurort. Für die kommende Wahlperiode betonen sie die Erstellung eines kommunalen Denkmalkonzeptes, qualitative Leitlinien für Neubauten in den Ortskernen, Förderprogramme für energetische Sanierungen im Denkmalbestand sowie das Leitprinzip Innenentwicklung vor Außenentwicklung.

Freie Wähler (Schimmer) betonen den Zusammenhang von Denkmalschutz, regionaler Bautradition, Baukultur, Heimatverbundenheit und nachhaltige Ortsentwicklung, sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ortsbildprägende Gebäude seien identitätsstiftend und zugleich ein wirtschaftlicher Faktor, insbesondere für den Tourismus. Handlungsbedarf liegt auf einer sensiblen innerörtlichen Nachverdichtung mit klaren gestalterischen Leitlinien, dem Schutz prägender Straßenzüge und einer qualitativen Aufwertung der Ortskerne durch Gestaltungsvorgaben. Für die kommende Wahlperiode setzen sie sich dafür ein, dass sich die Gebäude in Maßstab, Dachform, Material und Proportion in das gewachsene Ortsbild einfügen, Sanierung Vorrang vor Abriss erhält und ortsbildprägende Gebäude auch ohne formalen Denkmalschutz bewahrt bleiben. Wohnraumentwicklung sollte stärker mit Baukultur und Denkmalschutz verknüpft werden. Vorgesehen sind klare Gestaltungsleitlinien für Neubauten, frühzeitige Abstimmung mit Denkmalpflege und Bauverwaltung sowie Förderung von Sanierung und Umnutzung im Sinne einer sensiblen Innenentwicklung.

Auf die Frage, welche Orte man auswärtigen Gästen zeigen würde, nennen alle drei Kandidaten Alt-Garmisch, Alt-Partenkirchen und Wamberg, die als Ensemble geschützt sind; die Freien Wähler und die Grünen markieren darüber hinaus weitere Optionen.

In der Abwägung zwischen Denkmalschutz und anderen öffentlichen Interessen (Wohnraumschaffung, Infrastruktur, Klimaschutz u. a.) erhalten Denkmäler und Ensembles bei allen Beteiligten die höchste Priorität (10/10).
Nicht denkmalgeschützte, ortsbildprägende Gebäude, das Stadt- und Ortsbild, Historisch gewachsene und geplante Sichtachsen, die Entwicklung der Innenstadt, sowie die Kulturlandschaft und Parkanlagen wurde sehr hoch bewertet (9,0 – 9,66 von 10).

Gemeinsame Schnittmenge zeigt sich bei folgenden Instrumenten: Alle drei Befragten befürworten die Einführung bzw. Anwendung von Erhaltungssatzung, Gestaltungssatzung, Gestaltungsfibel, kommunalem Denkmalkonzept, fachlicher Unterstützung für Denkmaleigentümer, einer Anpassung bestehender Regelwerke sowie die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements in der Stadtbildpflege und beim Denkmalschutz. Hofer hebt dabei besonders die Rolle kompetenter Ansprechpartner beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege hervor; Thiel akzentuiert die Bedeutung von Öffentlichkeitsbeteiligung und spricht sich für eine Prüfung der Erhaltungssatzung im Kontext des im ISEK genannten Sanierungsgebietes aus; Schimmer betont, dass eine Erhaltungssatzung nicht als Verhinderungs-, sondern als Qualitätsinstrument verstanden werden solle.

Denkmalschutz wird von allen drei Gruppierungen als praktizierter Klimaschutz interpretiert (Bestandserhalt vor Abriss und Neubau). Beim „Bau-Turbo“ zeigt sich hingegen ein Akzentunterschied: Hofer äußert sich sehr kritisch, während Schimmer und Thiel die Notwendigkeit der Wohnraumschaffung betonen, jedoch nicht um den Preis eines Qualitätsverlusts im Ortsbild.

Vollständige Antworten aller Parteien (Garmisch-Partenkirchen)

Unterhaching

Aus Unterhaching haben uns Antworten der SPD und des Heimatpflegers erreicht.

Pfaffenhofen a.d. Ilm

Unser Mitglied Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm hat eigene Wahlprüfsteine erstellt und veröffentlicht:

Wahlprüfsteine des HKK für die Kommunalwahl 2026


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