Die letzten Tage des „Löwen“ in Lauben – Resümee und Presseschau
Das Medieninteresse an Abriss und Rettungsaktion des „Löwen“ war groß – doch manche Redaktionen berichteten zu spät.
Nachdem bereits vier Tage lang entrümpelt worden war, griff die Allgäuer Zeitung endlich die Pressemitteilungen des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege und des Denkmalnetz Bayern auf. Berichtet wird im Artikel vom 13.4. 2026, dass das Rathaus den Abriss für „etwa Ende April“ ankündigt. Parallel liefen zahlreiche Versuche, den Abbruch noch zu verhindern. Erst unser offener Brief vom 14.4.2026 an die Gemeinde, weckte breiteres mediales Interesse, beispielsweise am 15.4.2026 in der SZ.
Zu unserer kurzfristig organisierten Demo-Veranstaltung versammelten sich am 18.4.2026 rund 100 Menschen auf dem Dorfplatz gegenüber des Löwen. Vertreter des Bayerischen Rundfunks, der Süddeutschen Zeitung oder der Allgäuer Zeitung kamen nicht. Sie verpassten die Berichte über die Bedeutung des „Löwen“, über die Prüfung der Denkmaleigenschaft und den Umstand, dass einige Gemeinderäte davon erst nach Vergabe der Abbrucharbeiten erfuhren. Sie hörten weder die fachlichen Beiträge von Prof. Marcus Rommel (Fakultät für Architektur, TH Augsburg) und Franz Schröck (architekturforum allgäu), noch von jahrelangen, konstruktiven Rettungsversuchen engagierter Bürgerinnen und Bürger. Auch die Berichte von BergWerk e.V. und der Genossenschaft Bürgerbahnhof Leutkirch, die zeigten, wie scheinbar aussichtslose Gebäude gerettet werden können, entgingen den berichtenden Medien. Unsichtbar blieb für sie der intensive Austausch zwischen Bürgern, Fachleuten und Gemeinderäten – ebenso wie die großartige Unterstützung der Kemptner Band „Veto“, des Musikers Christian Ludwig Mayers und der Allgäuer Combo „De Nada“, die alle ohne Gage auftraten.
Die Kritik der Gemeinde, wir hätten nie Kontakt gesucht entspricht nicht den Tatsachen.
Das architekturforum allgäu (Mitglied beim Denkmalnetz Bayern) verschickte im Herbst 2025 seine „randnotiz 42“ mit persönlichem Anschreiben an alle Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder – ohne Reaktion. Bereits 2021 war Geschäftsführer und Architekt Franz Schröck eng in ein Studierendenprojekt zum Ortskern Lauben eingebunden, dessen Ergebnisse dem damaligen Bürgermeister und Gemeinderäten an der TH Augsburg vorgestellt wurden. Prof. Marcus Rommel wurde daraufhin zu einer Klausur über die langfristige Ortsentwicklung und die Zukunft des Löwen eingeladen, an der auch der heutige Bürgermeister Mathias Pfuhl und weitere Gemeinderäte teilnahmen.
Bei der Podiumsdiskussion „Dorfentzug aktuell“ zum Wirtshaussterben im Allgemeinen und zum drohenden Verlust des Löwen in Lauben am 28.2.2026 bestand Einigkeit darüber, dass Fachleute gemeinsam mit Bürgern, Verwaltung und Politik vor Ort nach Lösungen suchen müssen. Ein Laubener Bürger meldete sich, Hilfsangebote wurden ausgesprochen. Denn mit einer Dorfwirtschaft verschwindet nicht nur ein prägendes Gebäude, sondern auch der kulturelle und gesellschaftliche Mittelpunkt eines Ortes.
In den folgenden Wochen suchten Bürger, Fachleute und Initiativen wiederholt das Gespräch mit Bürgermeister Pfuhl. Die Einladung zur Fachtagung „Mut zum Erhalten“ nahm er nicht wahr, gekommen waren vier Laubener Bürger. Ein geplanter Gesprächstermin mit Bürgern wurde kurzfristig abgesagt. Ein weiterer Experte wandte sich kurz vor Abrissbeginn per E-Mail an ihn. Am Vortag scheitert der von Bürgern im persönlichen Gespräch gemachte Vorschlag, nochmals alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Erst nach all den vergeblichen Bemühungen um einen Termin mit der Gemeinde entschieden wir uns für einen offenen Brief an Bürgermeister und Gemeinderat, in dem wir unsere Expertise anboten – unterschrieben von Allgäuer Prominenz und Fachleuten. Am Tag darauf wurde ein Loch in die Rückfassade geschnitten, zudem fand im Löwen eine Übung der Jungfeuerwehr statt. Der Bürgermeister war im Urlaub, seine Vertreter schwiegen, während die Unterschriften unserer Petition in die Höhe schnellten. Für unsere Demo am 18.4.26 haben wir erneut alle Verantwortlichen eingeladen, gekommen waren drei Gemeinderäte.
Der für Ende April angekündigte Abriss wurde schließlich vorgezogen: Statt am Mittwoch rückten die Bagger bereits am Montag, den 20.4.2026, an – während der BR vor Ort filmte. Rund 30 Bürger versammelten sich erneut am Löwen. Auch unser Gespräch mit den drei Bürgermeistern am selben Nachmittag, zu dem wir einen Vertreter des architekturforum allgäu mitbrachten, führte zu keinem Umdenken. Weder Beispiele erfolgreicher Rettungen noch Vorschläge für einen befristeten Aufschub oder einen Verkauf des Gebäudes fanden Gehör. Dabei hätte ein Sponsor sämtliche Kosten für einen Aufschub übernommen.
Am Folgetag reiste die BR-Redaktion von quer an, interviewte zahlreiche Bürger und uns. Abends übergaben wir in Anwesenheit von rund 20 Bürgern die Unterschriften unserer Petition in der letzten Gemeinderatssitzung der Legislaturperiode. Für die Sitzung erhielt die Redaktion keine Drehgenehmigung und verließ den Ort. Geblieben sind zwei Journalistinnen der Lokalpresse.
Vom Löwen ist inzwischen nichts mehr übrig. Der ehemalige Dorfkern von Lauben ist seiner Seele beraubt, mit den Folgen müssen nicht nur die neu gewählten Gemeinderäte leben, sondern alle, die sich jahrelang für einen lebendigen Löwen aufgearbeitet haben. Euch, die ihr nie aufgegeben habt, wünschen wir von Herzen alles Gute, ihr seid einfach großartig!
Zum Gemeinderatsbeschluss „Abriss des Gasthofs“
Wiederholt wurde vom einstimmig gefassten „Abrissbeschluss“ berichtet. Der Beschluss vom 26.1.2026 betraf jedoch die Vergabe der Entrümpelungs- und Abbrucharbeiten, zwei von 16 Gemeinderäten stimmten dagegen. Unklar bleibt, wann der eigentliche Abriss beschlossen wurde. Noch im März 2024 wollte der Gemeinderat zunächst die Einschätzung des Landratsamtes abwarten, als es um Abriss und Neubau der gegenüber liegenden Hirschdorferstraße 17 ging. Schließlich sei der Bereich sensibel und die Planung widerspreche teilweise dem Sanierungsgebiet „Altort Lauben“ (Vgl. Gemeindeblatt 4/2024).
Der vermeintlich marode Zustand des Gebäudes ist nicht nur in Lauben ein wenig hinterfragtes Narrativ
In den Fernsehberichten des BR blieb unerwähnt, dass der gezeigte Zustand des Löwen auch Folge der zweiwöchigen Entrümpelung, der Feuerwehrübung vom 15.4.2026 und bereits begonnener Abrissarbeiten war. Hinweise von Fachleuten aus der Denkmalpflege, die dieser Darstellung widersprachen, fanden keine Erwähnung. Während uns die Polizei am 18.4.2026 mitteilte, das Gebäude dürfe wegen Einsturzgefahr keinesfalls betreten werden, erhielten Fernsehteams des BR am 20.4.2026 und 22.4.2026 Zutritt.
Die Gemeinde bezifferte den Kostenvorteil eines Neubaus in ihrer Pressemitteilung vom 17. April 2026 auf über 15 Prozent. Bezogen auf die vom Architekturbüro Fabi grob geschätzten Baukosten von 2,5 Millionen Euro hätte der Erhalt des historischen Gebäudes also rund 375.000 Euro mehr gekostet. Hierfür standen erhebliche Fördermittel aus dem Programm „Kleine Städte und Gemeinden“ in Aussicht. Die Kosten für den Abriss lagen bei rund 110.000 Euro.
Bei unserer Petition wurden die 153 Unterschriften aus Lauben durch das Einwohnermeldeamt auf 91 korrigiert
Sowohl in der Allgäuer Zeitung als auch im Gemeindeblatt vom 8.5.26 wird von doppelten und anonymen Stimmen berichtet. Bestätigen können wir lediglich 15 anonyme Unterschriften, die aber vom System über ihre e-Mailadresse verifiziert wurden. Doppelte Einträge konnten wir als Initiatoren mit Einblick in die Listen nicht feststellen. Fraglich bleibt daher, ob tatsächlich 62 Unterzeichner ihren Wohnsitz falsch angegeben haben, eine Rückfrage an die Gemeinde blieb unbeantwortet. Womöglich wurden die 38 handschriftlichen Unterschriften nicht berücksichtigt.
Unabhängig davon kamen die 836 Unterschriften in nur sechs Tagen zusammen, 31 Prozent stammen aus dem Landkreis Oberallgäu, 405 Kommentare wurden für den Erhalt verfasst. Mit etwas mehr Zeit wäre das Quorum für Lauben sicherlich erreicht worden.
Presseschau zum Löwen in Lauben
Die ausführlichste Zusammenfassung der Ereignisse veröffentlichte Sabine Stodal im Kreisboten vom 30.4.2026. Sie war als einzige Journalistin bei sämtlichen Veranstaltungen persönlich anwesend:
Weitere Berichte:
- Kreisbote:
Abschied vom ehemaligen Gasthof „Löwen“ in Lauben steht bevor – Diskussion um Abrisszeitpunkt, von Sabine Stodal, am 5.2.2026 - Allgäuer Zeitung:
Abbruchtermin des Löwen in Lauben rückt näher – die Kritik reißt nicht ab, von Jochen Sentner, 13.04.26 - Süddeutsche Zeitung:
„Lasst den Löwen nicht sterben“ von Florian Fuchs, 15.4.2026 - BR24:
Abriss trotz Protest: Historischer Gasthof verschwindet von Oliver Christa und Johannes Hofmann, 21.04.2026 - Bayern 1:
Bayern 1 Mittags in Schwaben: Beitrag zum Löwen in Lauben, von Johannes Hofmann, 21.04.2026 - BR Abendschau der Süden:
Aus dem 14. Jahrhundert: Gasthaus zum Löwen wird abgerissen, 21.04.2026 - AllgäuHIT:
Gemeinde Lauben stellt sich hinter Abriss des „Löwen“ – deutliche Kritik an Denkmalverbänden, 22.04.2026 - Radio Fantasy:
Trotz Proteste: Der "Löwen" in Lauben muss weichen, von Joa Bradtke, 22.04.2026 - BR quer mit Christoph Süß:
Wirtshaus-Abriss – Denkmal oder Bruchbude, von Beate Brehm und Johannes Hofmann, 23.04.26 - Allgäu TV:
Der Streit um den Löwen: historisches Gasthaus in Lauben wird abgerissen, von Sophia Zollner, 23.4.2026 - Allgäuer Zeitung:
Liste mit 836 Unterschriften gegen den Abbruch des „Löwen“ in Lauben übergeben, von Monika Rohlmann, 22.04.2026 - Allgäuer Zeitung:
Das „Gasthaus zum Löwen“ ist weg, in der Laubener Ortsmitte klafft eine Lücke, von Jochen Sentner, 15.05.2026 - Allgäuer Zeitung:
Nach dem Abriss des Laubener Löwen: Das sind die Ideen, 31.05.2026
Weitere Informationen
Eintrag zum Gasthaus zum Löwen unter gefährdet
Pressemitteilung des Denkmalnetz Bayern
Offener Brief gegen den Abriss des Löwen in Lauben
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